Ausstellung
zum Designspektakel
An der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart fand am 26. Januar 2011 das zweite ›Spektakel‹ statt: ein Designsymposium mit begleitender Ausstellung, an deren Umsetzung ich beteiligt war. Organisiert wurde das Spektakel von Studierenden der Fachgruppe Design (Kommunikationsdesign, Industrial Design, Textilgestaltung).
»Das Thema ›Angewandte Freiheit‹ nahm den Kunstakademiekontext mit seiner Vielfalt an künstlerischen Disziplinen zum Anlass, um über die Wechselwirkung von freien, selbstinitiierten Projekten und angewandten Dienstleistungen nachzudenken. Die Überschneidung beider Pole, welche aktuell auch immer stärker
Einzug in die Arbeitswelt hält, bildete den Kern unserer Auseinandersetzung. In Form unterschiedlicher Präsentationen und der Ausstellung wurden sechs individuelle Positionen erfahrbar gemacht. Ziel war es, das eigene Schaffen zu hinterfragen.
Unabhängiges Design oder angewandte Kunst?
Wo liegen die Grenzen der beiden Disziplinen, sind sie überhaupt erkennbar?
Geht es wieder mal um Autorschaft?
Wie sieht eine Schnittstelle von Design, Kunst und Wissenschaft aus?
Ist interdisziplinär »so schwer«? Oder »so gut«?
Nehmen wir uns zu viele Freiheiten oder sind wir zu angepasst?
Was ist kritisches Design?
Und wo führt es hin?
Um diesen Fragen über Design im Kunstkontext nachzugehen, wurden sechs facettenreiche Referenten, die nicht leicht in bestimmte Kategorien einzuordnen sind, eingeladen:
Rebecca Stephany / Amsterdam
Anni Puolakka & Jenna Sutela von OK Do / Helsinki/London/Paris
Julia Lohmann / London
Demian Bern / Stuttgart
Uta Eisenreich / Amsterdam
Axel John Wieder / Berlin«
Die begleitende Ausstellung im Ausstellungsgraben der Akademie wurde von Ann Richter und Nicolas Zupfer als Inspirationsarchiv konzipiert und in Zusammenarbeit mit Lucia Prusa, Martin Lutz und mir umgesetzt. Den Besuchern des Symposiums bot sie die Möglichkeit, sich tiefergehend mit den einzelnen Haltungen der Vortragenden auseinanderzusetzen. Jeder Referent nannte uns im Vorfeld verschiedene Dinge, die ihn beeinflusst haben. Die daraus von uns zusammengetragene und kuratierte Stoffsammlung aus Büchern, Fotos, Filmen und Personen ergänzte das Symposium.
Die Spektakel-Publikation in Form eines Ordners konnte mittels Fotokopierern individuell mit einer eigenen Stoffsammlung erweitert werden. So bestand auch die Informationswand der jeweiligen Referenten aus 32 DIN A4-Kopiervorlagen auf lachsfarbenem Papier – passend zum Erscheinungsbild des Spektakels (von Lisa Drechsel & Ann Richter).
Ich übernahm die Aufbereitung der Stoffsammlung von zwei Referenten:
1.) Uta Eisenreich: beschäftigt sich mit Ordnung (und Chaos). Die Struktur(losigkeit) ihrer Webseite diente als Vorlage für die Gestaltung ihrer Inspirationswand, die Literatur, Filme und Zitate zum Thema Ordnung liefert.
2.) Demian Bern: »arbeitet als selbtständiger Grafikdesigner schwerpunktmäßig für Kunst- und Kultureinrichtungen. 2008 gründete Demian Bern die EXP.edition zur Herausgabe experimenteller Publikationsformen, Förderung junger internationaler Künstler und als mobiles Projektforum.«
Passend zum Thema ›Angewandte Freiheit‹ hielt sich Demian Bern absichtlich an keinerlei Vorgaben: Zum einen sprengte er vorsätzlich den zeitlichen Rahmen seiner Präsentation so enorm, dass er mehrfach zum Aufhören aufgefordert werden musste, zum anderen lieferte er uns statt seiner Inspirationsquellen eine Kiste voller Blindbände, die er mit spannenden Titeln beschriftet hatte. In der Ausstellung lagen Stifte bereit, um die leeren Seiten mit Inhalt zu füllen.