Christina Schmid
Anfänge und Enden

Traumkunst

Ein Morgen für mich, ein Tag für uns. Lio kommt angetapst und sieht mich nicht im kleinen Bett hinter der Tür. Er will bei mir sein und langweilt sich. Ich sage, ich komme gleich und komme nicht, weil ich schon Stimmen höre und noch nicht bereit bin für euch. Ich räume meinen Blog auf, oder fange zaghaft damit an. Dieser Wust aus Jahren, Träumen, Zitaten. Schwallartig fülle ich ihn mit vergangenen Jetzts. Wie wichtig sind die Orte, an denen ich sie fand? (Oder sie mich?) Orte und Jahre als unthematische Sammlungen. Sortieren, was nicht sortiert werden kann. Wie gut sind doch Bücher, die so tun als gehörten Gedanken zusammen, als seien sie abgeschlossen. Buchdeckel als Punkt in der Zeit, die weitertickt, tick, tick, tick. Wieder das Bild vom Schreiben beim Reisen: Zeilen pro Kilometer, Sätze pro Minute, Buchstaben pro Sekunde. Takt. Aus dem Takt. Nicht taktsicher takten wir uns ein, in den Wechsel aus Tag und Nacht, Sommer und Herbst, hungrig und satt. Laut vor Kinderenergie, leise vor Müdigkeit. Nein, leise seid ihr nur im Schlaf, der mir die Basis ist für Träume und Kunst, für Ich und Du, für euch, für mich.