Blog: 2023
Gefallen
Ich liege wach mit deinem Husten, der in mir eingezogen ist, er bleibt mir treu für den kleinen Rest unserer Zeit. Deine rosa Lippen tanzen im Bunker mit ihr und allen, denen du noch gefallen sollst. Gefallen aus allen Wolken ins Nichts deiner Worte, die schon verblassen, wenn du sie schreibst und verschwinden, wenn sie mir gefallen haben, oder wem? Austauschbares Du, für sie, für dich. Sie fragt dich nicht nach mir und mich nicht nach dir. Ausgesprochen verfliegt ihr der Zauber jenseits der Worte. Ich kenne ihre Heimlichkeiten zu gut, schütze mich vor ihr, in die du fällst. Treuer Husten hältst mich wach und aus für heute Nacht.
Elefantenbrunnen
Im Traum sitzen wir in einem Bus, er fährt nicht los und wird immer voller. Wir steigen aus und gehen zu Fuß zum Meer. Es ist zu heiß, kein Schatten weit und breit, nur gleißendes Sonnenlicht. Also wieder in die Stadt zu einem Brunnen mit Elefanten aus Stein, von dem du gelesen hast. Wir klettern barfuß auf ihren Köpfen herum, jeder Elefant spritzt anders. Humpelnd zeigst du mir einen Paravent, hinter dem sich ein kleiner Elefant versteckt, schon grün vor Moos. Auf deinen Wunsch steige ich auf seinen Kopf, da plustert er wummernd die Backen auf und taucht ab ins Dunkel mit mir und wieder auf. Er spritzt aus allen Poren dich und dein Buch nass, du lachst.
Schokoladenhaus
Im Traum sitze ich unter freiem Himmel im Theater, wo sich Schauspieler ihre Spielpartnerinnen im Publikum suchen, ich bin eine der Auserwählten mit zwei Schmetterlingen, die ich dann doch anderen überlasse. Ein eiförmiger Bus fährt herein und kriecht den Berg hinauf nach Haus. Zu Fuß bin ich schneller, ich laufe ihm voraus, bis er mich einholt, der Fahrer besteht darauf, dass ich einsteige, es ist der Schauspieler, der mich wollte. Er will Bruchschokolade mit mir machen, mit lustigen Toppings, das klingt gut und du beobachtest amüsiert, wie ich in seinen Arm hüpfe, Huckepack trägt er mich bergauf zu seinem Schokoladenhaus.
Notiz
»Für mich hat so ein Notizbuch den Vorteil, dass es mich immer daran erinnert, wozu ich auf Erden bin – um von Dingen Notiz zu nehmen.«
Richard Ford
Flüchtigkeit
»Die Momente zwischen den Lesenden und Schreibenden sind Geschenke, deren Schönheit in ihrer Flüchtigkeit besteht. All das sagt vor allem eins: dass wir als Schreibende vielleicht gar nicht so genau wissen, was wir tun.«
Daniel Schreiber
Kleid
Dein Buch ist ein Kleid, das deinen Körper einhüllt, es raschelt, wenn du dich darin drehst. Zu Kleidern kamst du über den Tanz, nun kleidest du dich als Buch für mich, willst gelesen werden, sortiert, die Seiten ohne Reihenfolge übereinandergeschichtet, ich kann dich nicht lesen, nicht in diesem Licht und schon gar nicht in diesem Kleid, das dich verdeckt. Zugedeckt mit seitenweisem Text ohne Ende und Anfang, wie lose Fäden hängen die Sätze von dir weg. Erst jetzt sehe ich den Raum, in dem wir uns drehen: Text über Text an Wänden, Boden und Decke, sie flüstern und rascheln im Wind, der durch das nächtliche Fenster in dich und dein Kleid weht, dein Buch, das du jetzt ausziehst. Darunter trägst du nur noch ein Wort auf deiner Haut, am Ellbogen, was steht da für immer für dich? Imagine.
Lesemaschine
»Schlussendlich ist ein schönes Buch vor allen Dingen eine perfekte Lesemaschine (…); und es ist gleichzeitig ein Kunstgegenstand, ein Ding, aber eines mit Persönlichkeit, das die Zeichen eines eigenen Denkens trägt.«
Paul Valéry 1926
Galaxie
Im Traum landen wir in einem Theaterstück, die Bühne voller brauner Pappröhren und Verpackungsmaterial, darin wartet eine träge Truppe auf Bestellungen. Das Stück heißt: ›Die Verlegerin‹. Auf einer anderen Bühne steht ein Typ in einem Wald aus Mikrofonen, er will für sein Bühnenbild gelobt werden, was niemand tut. Frustriert trinkt er das Blumenwasser aus den Vasen und wirft die Blumen ins Publikum. Wir folgen einem Licht ins Dunkel, besteigen ein Raumschiff und legen ab, fliegen den Lichtwölkchen hinterher, die uns der Flugvirtuose vor uns als Orientierung ins dunkle Nichts auspufft. Zwischendurch biegt er ab in kleine Wolkenwelten, um Leute einzusammeln und ein verlorenes Kind zu retten. Wir folgen ihm, durchqueren Schlick und Algenfelder, reißen uns los und wieder hinauf. Auch meine Eltern fahren herum mit Oma, der sie Basel zeigen und kleine Hafenstädte. Auf dem Rückweg wollen Sie zu uns und mein Gepäck abholen, bei der Hitze reicht mir der neue Badeanzug: Eine Galaxie mit Neonbändern an den Seiten zum Zusammenziehen, so schrumpft der Sternenstoff zu einem Päckchen, klein und leicht wie ein Tischtennisball.
Schaumwasser
Im Traum reisen wir im Zug von Stadt zu Stadt, wir sind auf Tournee mit unserem Wasserspaziergang. Sind wir hier richtig, wo müssen wir raus, kommen wir rechtzeitig an? Kein Ortsschild am Bahnsteig verrät uns, wo wir sind. Ich will mein Handy befragen, doch darin schwappt nur Spülwasser mit weißen Schaumblasen, nicht mehr zu gebrauchen als Karte, Kompass oder Uhr. Irgendwo steigen wir aus, machen Pause am Strand, haben solch eine Lust, dass uns die Zeit egal ist und auch die anderen Leute, wir rennen nackt ins Meer. Die Lust bleibt bei mir bis im Hotel die große Lea bei mir ist, mein Kopf reicht ihr bis zum Bauch. Sie hängt mich kopfüber mit den Beinen über ihre Schultern. Müssen wir nicht los? Im Handy noch immer nur Schaumwasser. Bestimmt ist noch Zeit.
Weiß
Plötzlich bin ich allein im Weißraum der Seite. Stille. Keine Stimmen mehr im Kopf, keine Briefe im Kasten, alle Notizen weg. Die Worte werden weniger, mein Wortschatz schrumpft. Wir sammelten Sätze, die schon vergessen sind. Ich sammelte Wörter, Menschen, Küsse, ließ sie stehen, ging weiter und weg. Vergesse nun auch mich und schaue aufs Weiß, werde blass und durchsichtig, wie alles, was ich geschrieben habe. Meine Bücher verlieren ihre Farben, die Buchstaben purzeln heraus und krabbeln wie Ameisen davon. Zuletzt verschwinden die Punkte auf meiner Haut und ich bin weiß wie diese letzte Seite, mit der ich mich zudecke. Weich wie eine Decke, weiß wie das Licht in diesem Nichts. Nebel zieht auf und dämpft dein fernes Vorlesen, ich schlafe ein.
Unrast
»Ein wichtiger Begriff in der Reisepsychologie ist das Begehren, denn es verleiht dem menschlichen Wesen Bewegung und Richtung zugleich – es weckt die Hingabe an etwas. Das Begehren an sich ist leer, das heißt, es weist nur die Richtung, aber nicht das Ziel, das Ziel nämlich bleibt immer phantasmagorisch und unklar, je näher man ihm kommt, desto rätselhafter wird es. Das Ziel lässt sich unter keinen Umständen erreichen, man kann auch nie das Begehren damit stillen.«
»Das, was mich beleidigt, lösche ich aus meinen Landkarten. Orte, in denen ich gestolpert und gefallen bin, wo man mich geschlagen, mir Leid zugefügt hat, wo etwas mir wehgetan hat, die hören auf, für mich zu existieren. Auf diesem Wege habe ich mehrere Großstädte und eine Provinz wegradiert. Vielleicht werde ich eines Tages ein ganzes Land wegradieren. Die Landkarten nehmen das verständnisvoll hin; sie sehnen sich nach weißen Flecken, das ist ihre glückliche Kindheit.«
»Ist es gut, dass ich erzähle? Wäre es nicht besser, den Verstand mit einer Klammer zu bündeln, die Zügel straff zu ziehen und mich nicht in Geschichten auszudrücken, sondern mit einem schlichten Vortrag, wo ein Gedanke mit jedem Satz klarer Gestalt annimmt und in den folgenden Absätzen an andere Gedanken geheftet wird? … Doch ich lasse mich auf die Rolle der Geburtshelferin ein, der Gärtnerin, deren Verdienst höchstens das Säen ist und anschließend das langweilige Unkrautjäten. Erzählungen haben ihre eigene Trägheit, die sich nie ganz unter Kontrolle bringen lässt. Sie brauchen Leute wie mich, die unsicher sind, unentschieden, leicht an der Nase herumzuführen. Naive.«
»In der Nacht steigt die Hölle über der Welt auf. Zuerst verzerrt sie den Raum, macht alles enger, massiver, unbeweglicher. Einzelheiten verschwinden, Gegenstände verlieren ihr Gesicht, werden massig und unscharf, wie merkwürdig, dass man tagsüber von ihnen sagen kann, sie seien ›schön‹ oder ›nützlich‹; jetzt erinnern sie an unförmige Klumpen, deren Zweck schwer zu erraten ist. … Die Nacht gibt der Welt ihr ursprüngliches natürliches Aussehen zurück, sie erfindet nichts; der Tag ist Extravaganz, das Licht – nur eine kleine Ausnahme, ein Versehen, eine Störung der Ordnung. In Wirklichkeit ist Die Welt dunkel, fast schwarz. Bewegungslos und kalt.«
»Lasst stehen und liegen, was ihr besitzt, verlasst euren Grund und Boden und setzt euch in Bewegung. Denn alles, was seinen festen Platz in der Welt hat, jeder Staat, jede Kirche und Regierung, alles, was in dieser Hölle seine Form behalten hat, ist ihm zu Diensten. Alles, was bestimmt ist, was von-hier-bis-da ist, was in Rubriken erfasst, in Registern verzeichnet, nummeriert, nachgewiesen, beschworen ist; alles, was angehäuft, zur Schau gestellt und etikettiert ist. Alles, was festhält wie Häuser, Sessel, Betten, Familie, Erde, Saat, Pflanzung, Pflege des Wachsenden. Planen, Warten auf Ergebnisse, das Erstellen von Plänen, Hüten von Ordnung. Deshalb entwöhne deine Kinder, wenn du sie schon achtloserweise geboren hast, und mach dich auf den Weg. Bestatte deine Eltern, da sie dich schon unachtsamerweise haben werden lassen, und geh.«
»Sie halten sich an den Händen, es ist die Zeit der ersten Küsse, die man nicht anders als seltsam bezeichnen kann.«
»Eine Stunde bleibe ich sitzen, nicht länger. Ich sehe die Leute, die aus dem Fahrstuhl springen und zu einer Verabredung eilen, diese von Geburt an Verspäteten, die manchmal vor lauter Hast in der Drehtür stecken bleiben wie in einer Mühle, die sie gleich zu Staub zermahlen wird. Ich sehe die Schlurfenden, die die Füße nachziehen, sie zaudern vor jeder Bewegung. Frauen, die auf Männer warten, Männer, die auf Frauen warten.«
»Die Bibliothek steht am Fluss, auf diesen schaut sie, das ist ein Fehler. Bücher muss man hochgelegen aufbewahren. Als die Sonne schon herauskam und das Wasser fiel, legten die Mitarbeiter der Bibliothek die Bücher zum Trocknen aus. Aufgefächert stellten sie sie auf den Boden, es sind Hunderte, Tausende. Geduldig ziehen sie die Seiten auseinander, damit die einzelnen Sätze und Worte trocknen können – sie öffnen die Bände zur Sonne hin, die Sonne soll lesen.«
»Kairos, der immer an dem Punkt wirkt, wo die lineare Zeit der Menschen und die zyklische Zeit der Götter sich schneiden. Und auch an dem Punkt, wo Ort und Zeit sich schneiden, in dem Moment, der sich kurz öffnet, um diese eine, eigene unwiederholbare Möglichkeit stattfinden zu lassen. Der Punkt, an dem die aus dem Nirgendwo ins Nirgendwo laufende Gerade einen Augenblick den Kreis berührt.«
»Wir, die Aufschreibenden sind ja zu vielen. Wir lassen uns nicht anmerken, dass wir einander betrachten, wir heben den Blick nicht von unseren Schuhen. Wir werden uns gegenseitig aufschreiben, das ist die sicherste Form der Kommunikation, wir werden einander in Buchstaben und Initialen verwandeln und auf den Seiten der Notizbücher verewigen, wir werden uns plastinieren, ins Formalin der Sätze versenken.«
»Im Lächeln der Stewardessen verbirgt sich, wie uns scheint, ein Versprechen, dass wir vielleicht Neugeborene werden, diesmal zur rechten Zeit am rechten Ort.«
In Griechenland mit Olga Tokarczuk: Unrast
Knallblau
Im Traum wohnt Pablo unter und Leana über uns, Lio ist begeistert über all die Kinder im Haus. Nur Marilena reichen die Zimmer nicht, sie braucht zwei Küchen, wovon wir ihr abraten, sie überlegt weiter. Dann mein erstes Date mit einem jungen Kerl, er küsst viel zu hastig und hat keine Zeit, seine Party geht gleich los. Dort mag mich ein kleines Mädchen, dem ich knallblaue Farbe verspreche und die 77 Holzquadrate aus der Kiste unter meinem Bett. Bis ich wiederkomme, ist sie weg. Stefanie leuchtet im grüngelben Schal, nur widerwillig lässt sie sich das Gartenhaus zeigen, ihre Assistentin schreibt mit und will sich melden, ich glaube ihr nicht.
Trampelpfad
Im Traum habe ich einen Termin direkt nach dem Urlaub fast vergessen, um 10 muss ich dort sein, es ist 9:53 Uhr, ich komme zu spät. Ich renne durch ein Bürogebäude und knalle Türen, versuche immer wieder Christoph anzurufen, mein Handy will nicht. Auf einem Trampelpfad durch eine hohe Wiese erzählt mir Frauke von ihrer Tochter: Als alle wegen Covid ausreisen mussten, zog sie sich kiffend aufs Land zurück. Jetzt hat sie alle Varianten durch, auch die englische und französische, es geht ihr gut. Eine Uhr zeigt noch immer 9:53 Uhr und später noch eine. Wenn die Zeit so stillsteht, könnte ich es noch pünktlich schaffen, nur habe ich gar keine Lust mehr auf Termine. Aufs Land ziehen und kiffen? Frauke schüttelt den Kopf.
Erdbeerstola
Im Traum löffeln wir scharfe Erbsensuppe mit Zuckerschoten aus einem Topf, der stand schon gestern mitten im Weg auf einem Stuhl. Daneben kauft Sinje ihr Gemüse ein. Sie trägt eine Stola aus riesigen Erdbeeren, passend zu ihrer Ausstellung, die wir gleich besuchen. Ein Raum voller schwebender Neonröhren, an die wir uns hängen und schaukelnd Luftakrobatik versuchen.
Pantomime
Im Traum soll ich einen Vortrag vor einer Klasse halten, ständig kommt und geht jemand, meine Stimme bricht weg. Wir hüpfen uns wach und versuchen ganz still zu sein – wie schwer das ist! Ich will brüllen und kann nur krächzen, da wird es still. Beim Einschenken passiert mir eine sprudelnde Überschwemmung, wir lauschen, wie das Wasser vom Pult auf den Teppich tropft. Barfuß schleiche ich durch die Reihen und sammle alle Gesten der Klasse ein.
Buchtraum
Als hättest du ihn bestellt in meiner Traumfabrik: Erst ein Kästchen mit Tuch, das sich beim genaueren Hinsehen als bewegte Geschichte entpuppt, Hologramm mit Eidechse, die ausbüxt. Später ein leeres Buch mit bläulich schimmernden Seiten, die sich in mehrere Bücher aufteilen und um die Wette rennen, wie Hase und Igel im raschelnden Papier.
Mondbuch
Im Traum besuche ich eine vertikale Buchmesse, die Bücher lagern weit oben über den Ausstellungstischen, ein rostiges Fahrrad an Seilen dient als Aufzug, natürlich will ich das oberste Buch, dort wohnt der Mond. Ich pflücke einen Strauß hochgewachsener Stifte, die sich schon biegen, manche Farben gibt es nur in kurz.
Klotz
Ich höre auf, höre draußen wen husten, dein Husten? Wie du. Hoffe kurz, du bist es schon, habe Bauchweh, hoffe dann, du hast Spaß, bestimmt sogar! Komisch ist das. Ich umarme dich, oder nicht, weil du riechst nach wem. Wie oft wirst du duschen, um wieder hier zu sein, mein, nein, warst du nie und wirst du je? Ich dein, Klotz am Bein, bei aller Liebe.
Gedicht
Die Lust in deinem Garten vergessen, du reichst sie mir durch ein Loch im Zaun, der Tag war ein Gedicht.
Puppenmacherin
Im Traum spaziere ich zu einem Vortrag, Demian hat das selbe Ziel. Er zeigt auf sein Atelier am Waldrand, ein gefaltetes Glashaus, sieht spannend aus, da möchte ich mal hin! Nicht jetzt, sagt er, aber später. Wann fährt der letzte Bus? Um sechs Uhr früh, sagt er und lacht, er lädt mich ein für diese Nacht, was er gleich wieder vergisst. Wir kommen an, er wird umringt, ich sitze am Rand, der Vortrag beginnt. Eine Puppenmacherin erzählt das Konzept ihrer blauhaarigen Wesen. Ihr Sohn quatscht dazwischen, vernebelt den Raum, fragt nach Geld. Sie verstummt unter Tränen und sieht mich am Rand, mein rotes Leuchten wirkt aufmunternd, sie verwirft alles und setzt neu an: Der Puppenkopf, das weiche Gesicht, die Haare jetzt grün, der Körper biegsam wie der einer Tänzerin, wird lebendig mit dem letzten Stich, anschmiegsam, wie keine vor ihr.
Drei Tage lang Bücher gestreichelt und einmal auch dich.
»Das Buch leuchtet nicht im Dunkeln, wir waren extra im Schrank.«
»Bist du sauer auf das Buch?«
Fahrplan
Im Traum warten wir im Gedränge auf den Bus, Lio will weg. Er rennt auf die vielspurige Straße, ich hinterher, rufe heiser Julia – wie tief das sitzt, Verantwortung ist mit dem Namen meiner Schwester verknüpft. Er verschwindet hinter einem Hügel, findet eine Dose mit Keksen, vergessenes Spielzeug, verlorene Mützen der Kinder, die wohl gerade jetzt in den letzten Bus überhaupt einsteigen. Ich versuche den Fahrplan zu entziffern, erkenne nichts, höre noch ein Gespräch mit und jemanden duschen im Haus, dann ist es dunkel und still. Wir zwei allein hier, allein auf der Welt.
Ballonbauten
Im Traum lasse ich mein Knie untersuchen, es ist blau und liegt im Hof auf einem fahrbaren Tisch. Alles in Ordnung, meint der Arzt, aber wie wärs mit einem Experiment mit KI? Er pikst blaue Dioden in meine Handfläche, es löst sich gleich eine von vier, ich halte sie fest. Der Arzt eilt voraus zur Kaserne, ich hinterher in zu großen Schuhen, stolpere und falle in eine Pfütze aufs Knie. Er dreht sich noch um und verschwindet hinter einer der vielen Türen. Wo muss ich hin? Im Opernsaal ganz hinten ein Büchertisch mit Lyrik und bunten Heften, ich helfe Andreas beim Aufbau, finde ihn viel zu versteckt. Ein Buffet soll helfen, es beginnt zwischen den Büchern und erstreckt sich über mehrere Höfe in Ballonbauten, wir schlagen uns die Schüsseln voll mit buntem Gemüse und Gebäck.
»Vergiss deine Rakete nicht.«
Spiegelbild
Wortschwallwesen fang mich auf bevor du aufspringst lässt mich sitzen im Echo meiner Suche verhallt im Rot dein Schal dimmt das Kuchenlicht. Das Schaf auf dem wir landen ganz weich beim Absturz des Luftfahrrads weil Fußkrampf beäugt von der Eule rettender Schatz. Erwarten wir Zeichen wir schenken uns nichts oder so spät schon wachgeklappert nebenan verrutschtes Gestern im Spiegelbild. Ungefragte Bilderschau bewundert bis über mich hinweg ein Fluss mäandert vorbei am Fenster das Boot schaukelt uns zum Mai.
Geheimschrift
Im Traum treffe ich Thomas an der Bushaltestelle, wir erkennen uns gleich – ich ihn an seinen rot gefärbten Borsten, er mich an meinem Mund. Wir schauen hin und weg, lachen schüchtern und steigen ein. Da ist auch Ulrike und die halbe Klasse, ich zeige ihr Lio, der hinter Milchglas auf seiner Oma turnt, sie zeigt mir zwei ihrer drei Kinder. Wie mein Tun erklären? Ein Buch aufschlagen, Zitrone darauf träufeln, Geheimschrift sichtbar bügeln, Petersilie darüber streuen, fertig.
»Bei meinem Mann ist das genauso.«