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Christina Schmid
Anfänge und Enden

Der Raum mit den Fäden

Aus einem kleinen Riss in meiner linken Handfläche fallen rote, klebrige Quader, alle gleich groß, etwa einen Zenti­meter lang, dazwischen ein größeres Dreieck. Die letzten ziehe ich vorsichtig heraus, bis nur noch ein kleines Eck aus dem Riss ragt. Das sei Lobe, sagt Naomi, ein Blutplasma, das manchmal ausfällt, ausgelöst von Allergien. Fasziniert und angeekelt zugleich spielt sie mit den glitschigen Klötzchen. Ich fege sie mit der Hand vom Tisch in den Müll. Das hatte ich noch nie. Liegt es an diesem Haus? Mitten im Nirgendwo, umgeben von Landschaft – wenn nur die große Straße nicht wäre. Man hört sie nur, sieht sie nicht, denn vor den Fenstern stehen Mauern, nur durch das Glasdach fällt Licht. Ich suche den Raum mit den Fäden, knipse alle Licht­schalter an und aus, bis sich die Leute in der Küche beschweren. Ich finde die Ziehharmonika-Konstruktion, an der die Fäden früher hingen. Kein Platz mehr für solche Spielereien, die Konstruktion wird jetzt als Wäsche­ständer genutzt. Früher hing sie an der Decke, die Fäden reichten bis zum Boden und füllten den ganzen Raum. Man konnte darin tauchen, erinnert sich Georgs Vater, der nun auch hier lebt. Allen im Haus erzähle ich von den Klötzchen, der Riss ist schon fast verheilt. Der Mitbe­wohner kommt rein, er war beim Frisör und sieht jetzt doof aus.