Sie verrät viel, aber sie gibt nichts preis. Heute sucht sie Menschen, die sich mit sich und der Stille abgefunden haben. Sie wohnt zur Untermiete bei einer 92-Jährigen und besucht regelmäßig eine Nonne, die ihr Inspiration gibt. Sie verweigert sich der Moderne. Sie schreibt, dichtet, zeichnet, erschafft Mikrokosmen des Eigenen, Unangreifbaren. Jeden Tag.
Martin Eich über die Schauspielerin Valery Tscheplanowa
DIE ZEIT Nr. 48/2012
»Die Kehrseite der Individualisierung ist die transzendentale Obdachlosigkeit, die Einsamkeit des Ichs, das in keiner Ordnung mehr aufgehoben ist.«
Ijoma Mangold: Wir Stadtkinder
DIE ZEIT Nr. 47/2012
»Erstmals war ich es, war es meine Person, um die es ging an dem Stillen Ort.«
Peter Handtke: Versuch über den Stillen Ort
»Mehr als alles andere ist es die kreative Wahrnehmung, die dem einzelnen das Gefühl gibt, dass das Leben lebenswert ist. Im Gegensatz dazu steht eine Form der Beziehung der äußeren Realität, die sich als Angepasstheit bezeichnen lässt, die Welt (und ihre einzelnen Teile) wird dann nur als etwas wahrgenommen, dessen man sich bedienen kann oder das Anpassung erfordert. Diese Anpassung bringt für den einzelnen ein Gefühl der Nutzlosigkeit mich sich und ist mit der Vorstellung verbunden, dass alles sinnlos und das Leben nicht lebenswert ist. Viele der betroffenen Menschen haben gerade soviel an kreativer Lebensweise erfahren, dass sie zu der quälenden Erkenntnis kommen, die meiste Zeit unschöpferisch zu sein, im Bann der Kreativität eines anderen oder einer Maschine.«
D. W. Winnicott: Vom Spiel zu zur Kreativität
»Unsere Herzschläge gehören nicht nur unserem Körper. Wir betten sie in die Weite der Tage, und sie sind stets leise gerade an den Orten zu vernehmen, die wir zurücklassen müssen. Schreiben hat häufig mit den Orten zu schaffen, die man zurücklässt. Und mit dem Horchen nach dem eigenen Herzschlag.«
Hermann Hesse
»Texte werden immer wieder korrigiert, variiert, weiterverzweigt, Graphiken mehrschichtig überarbeitet, Bilder und Skulpturen dem Verfall preisgegeben, Zeichnungen in Sekundenschnelle auf einen Papierbogen und dann auf den nächsten geworfen. Über schonungslose Tagebucheintragungen, Filme, Polaroids und Abfallsammlungen werden, zuletzt immer engmaschiger, flüchtige Lebensmomente derart unübersichtlich festgehalten, dass man am Ende nichts mehr sieht und nichts mehr weiß.«
»Wörter sind zum Weinen, Bilder zum träumerischen Sich gehen lassen.«
Dieter Roth: Die Haut der Welt
»Auf die Frage ›wer?‹ antworten, heißt, wie Hannah Arendt nachdrücklich betont hat, die Geschichte eines Lebens erzählen.«
Paul Ricœur, Zeit und Erzählung
»Without books, history is silent, literature dumb, thought and speculation at a standstill. Without books, the development of civilisation would have been impossible. They are engines of change, windows on the world, and (as a poet said) ›lighthouses erected in the sea of time‹. They are companions, teachers, magicians, bankers of the treasures of the mind. Books are humanity in print.«
Barbara W. Tuchman
»Aber es herrscht eine giftige Statusangst, ein gewaltiges Sinnvakuum, ein wahnsinniges selbstreferenzielles Klima.«
Katja Kullmann, Rasende Ruinen
»Ich bin überzeugt, wenn Sie bei Ihrer Schriftstellerei Erfolg haben, werden Sie die auch aufgeben, um sich zu bestrafen.«
»Nie trifft man den anderen im gleichen Gemütszustand, der gleichen Phase, der gleichen Stimmung – niemals. Wir sitzen alle auf einer Wippe.«
»Im Zug begann ich zu schreiben, um die Siebenmeilenstiefelsprünge meines Lebens durch die Ameisenaktivität meiner Feder auszugleichen.«
Über eine solche Fülle von bezeugtem Leben müsste sich ein Biograph eigentlich freuen … sie hat alles sagen wollen, was sich irgend sagen lässt … die Fülle des Formulierten und Notierten führt in ein Dickicht in welchem sich Anaïs Nin auch verliert und versteckt.
Es gibt Situationen, da macht man viele Worte um das eine Wort nicht sagen zu müssen, das einen so zeigen könnte, wie man sich selbst nicht sehen möchte und wie man nicht gesehen werden will … Zudecken mit Material haben Analytiker das genannt.
Gegen was schreibt sie an? Welchen Schmerz sollen die vielen Worte lindern, und wovon lenken sie ab?
Linde Salber
»Der halb bewusste Dämmer zwischen Selbsttäuschung und Betrogen werden.«
Hartmut Böhme
»Es ist leichter ein Zeichen zu werden, als zu versuchen, etwas zu bezeichnen.«
Laurie Penny
Die Schule absolvieren die Menschen am späten Vormittag, die Liebe ist nur ein Augenblick, Schwangerschaft und Geburt eine Sache von Minuten. Alles rast vorbei, nichts wiederholt sich, denn »die Hölle, das ist die Wiederholung«. Als Benny sich in Gini verliebt, will er aber in eben diese Hölle versetzt werden. Er will, ganz romantisch, die Ewigkeit. Aber …
A. F. Th. van der Heijden: Ein Tag, ein Leben
»In Wahrheit ist jede Wahrnehmung schon Gedächtnis. Die reine Gegenwart ist das unfassbare Fortschreiten der Vergangenheit, die an der Zukunft nagt.«
Henri Bergson, Materie und Gedächtnis.
Entdeckt bei Haruki Murakami: Kafka am Strand.