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Christina Schmid
Anfänge und Enden

Blog:

Serotonin

Miserabel geschlafen, die dritte Nacht in Folge. Seit ich von Serotonin­mangel gehört habe. Nun liegt sogar ein Druck auf meiner Schlaf­qualität.

Fensterblicke

Stickige Luft im Warte­zimmer. Das Fenster unter­teilt die Komplexität der Welt in einzelne Ausschnitte. Jeder für sich genommen scheint verständlich, wie jeder Moment für sich genommen erträglich ist. Ich schaue auf einen Fenster­aus­schnitt, vorne ein altes Dach, dahinter eine neue Fassade, oben ein Stück Himmel. Neun Fenster, neun Ausschnitte. Ich mag diese Aufteilung der Welt, Fenster­blicke. Details statt das große Ganze. So ist es auch mit meinen Grund­satz­fragen – die kleinen Beobachtungen retten mich vor dem großen unfassbaren Ganzen.

Das Loch

Dieser Typ, der mir alle paar Jahre über den Weg radelt oder läuft oder plötzlich dasteht und guckt – als ob er mich immer mal wieder daran erinnern wollte, dass ich mich nicht erinnern kann. Als ob er wüsste, wer ich bin und wer ich nicht war, als ich ihn küsste und kurz darauf ging und einen Anderen mit nach Hause nahm. War das überhaupt er? Oder hatte ich mir den Kuss nur gedacht, als ich ihn bei einer anderen Party tanzen sah? Von dort kam ich nicht mehr nach Hause, es war zu spät. Ich fragte einen harmlos aussehenden Jungen, ob ich bei ihm schlafen könne. Ich wusste nichts über ihn, folgte ihm zu seiner Wohnung, bekam ein großes weißes T-⁠Shirt und legte mich in sein Bett. Ich wachte früh auf und nahm den Bus, nur weg, nichts wie weg. Wer war ich? War ich überhaupt? Ich kannte hier niemanden und niemand kannte mich. Hinter mir war alles zusammen­gebrochen, alle wollten weg, also ging auch ich. Nur wohin? Und wie sollte es weiter­gehen? Ich war einsam, ohne Heimat, Liebe, Halt und so sehr auf der Suche. Dann fand ich das große Nichts. Das Vergessen. Ein Loch in meiner Erinnerung. Manchmal krabbelt dieser Typ dort heraus. Vielleicht will er mir sagen, wie es dort ist, in diesem Loch, in dem ich ihn einfach so habe stehen­lassen, um kurz etwas zu holen. Wahrscheinlich hatte ich es sogar so gemeint. Oder jemand hat schräg geguckt und mich erkannt, ich wollte kein Gerede. Oder ich ahnte, dass er gerade dabei war, sich zu verlieben, mich zu verhexen und dann zu gehen. Vorher ging ich. Doch er geht nicht. Taucht ab und zu auf und guckt. Dieser schiefe Mund, immer in Bewegung, als wüsste seine Zunge nicht wohin mit sich. Nächstes Mal frage ich ihn, was damals war, ob was war, ob mein eigentliches Leben genau dort in diesem Loch weiterging, während ich hier draußen danach suche.

Fundstücke

Und immer sah eine aus
wie meine Oma mit so Locken.

Selbst eine Brief­marke
wäre dir zu groß.

Du liest und liest, bis du
nichts mehr siehst.

Hypnagogic visions greet me
on the verge of sleep.

Fernweh

Das Leben wird also langsamer mit 31. Man geht nicht mehr aus und merkt es nicht einmal. Nur wenn eine Freundin kommt, die man schon 12 Jahre kennt, oder immer noch nicht. Man leert eine Flasche Wein und lacht wie früher. Und dann? Man spricht von dreimonatigem Fernweh, dem man keine Reise entgegen­setzt, sondern ein aalglattes Portfolio, zu dem weder Werber noch Architekten nein sagen können. Für wen will man arbeiten? Will man überhaupt arbeiten? Und was tun, wenn nicht? Hinschmeißen, Esand­ers­machen, Panik.

Draußen dreht sich das Karussell weniger schnell.

»… eine sprach­sprühende Feier der Freundschaft und der Literatur, dieser beiden lebens­rettenden Anker.«

In jeder Familie herrscht ein anderes Schweigen.

Papierquadrate

Papier­quadrate

Heimaturlaub

Heimat­urlaub

Neonzahlen

Neonzahlen

Rohbaukirche

Rohbau­kirche

Doppelgänger

Doppelgänger

Doppel­gänger

Lilabeeren

Lilabeeren

Nachtschatten

Nacht­schatten

Blättermeer

Blättermeer

Blättermeer

Traum in weiß

Im Traum hänge ich meinen weißen Pullover zurück in den Laden und nehme mir einen neuen. Der Verkäufer merkt es, ich rede mich raus, dass es ein Versehen gewesen sei. Danach gibt es Kuchen in einem idyllischen Garten und ich bestelle immer weiter, obwohl der Kellner (vorhin Pullover­ver­käufer) gerne Feier­abend machen würde.

Kleiner und dunkler

Im Zug hätte ich das Buch gerne kleiner und dunkler gemacht – es ist so bunt, dass alle hinschauen.

Giebelhaus aus Oliven

Auf der anderen Seite des Flusses, direkt am Wasser, steht ein kleines Giebelhaus. Es war mal meins, Oma hat es für mich gekauft. Doch es wird seit einiger Zeit rückver­gütet, in Oliven. Gleichmäßige Portionen, aus denen Muster gelegt werden können, so groß wie das Haus.

R E N T E
E R N T E

– Es gibt ja auch wieder Anfänge.
– Nein, nur noch Enden, lauter lose Enden.

Conversation in Numbers

How long did you drive from there?
How long will you stay here?
When is the opening?
When were you here last year?
How many years have you lived there?
When will you go back home?
When do you get up in the morning?
At which time do you start working?
How many people work there?
How old are you?
Since when do you live here?
What time is it?

Traum: – und weg.

Farbschichten

Farbschichten

Schnörkelschatten

Schnörkel­schatten

Feuilles de la Krutenau

Feuilles de la Krutenau