Im Traum haben wir Besuch in unserer winzigen Wohnung, in der du die letzte Woche allein gelebt hast. In der Küche klebt die Arbeitsfläche, aus den Schränken quillt Brokkoli. Ich suche Tassen für Tee, sie sind verschwunden. Die Gäste sitzen um den Tisch und kratzen die festgetrockneten Kräuter ab. Im Wohnzimmer liegt der Boden voller Dinge, er ist nicht mehr zu betreten. Das ist doch peinlich vor unserem Besuch, der den Tee nun aus Suppentellern trinkt.
Im Traum sind wir bereit für unsere Hochzeit, unsere Familien holen uns ab und parken vor einer Festhalle, alles ist dunkel. Als wir den Saal betreten, geht das Licht an und unser Chor und Orchester singen und spielen nur für uns. Wir sollen auf die Bühne und etwas sagen, wir sind noch so verschlafen, dass wir kein Wort rausbekommen. Ich wünschte, ich hätte doch ein weißes Kleid, so nimmt man mir die Braut doch gar nicht ab.
Dein Schreiben schreibt dem Einen ein Heft unter die Knie. Du weinst dich bei mir aus, wimmerst in Rätseln von deinem Gehen, der Unmöglichkeit des Verlassens deiner Freundin, die doch bei deiner Tour dabei sein wird, als liebevoll illustriertes Schwein auf dem Plakat. Wir sitzen am matschbraunen Fluss, du platzt fast vor Gefühl, sagst aber nichts. In deinem Kopf ist noch alles offen, du willst meinen Rat, der nur von Tagesstruktur spricht. Ein kleiner Junge mit langen Haaren fragt dich vorsichtig, wo das Programm weitergeht. Gleich ist eure Lesung. Wir sitzen auf Kissen im Eingang eines Kinos, ihr unterbrecht euch gegenseitig in eurem Lesen zwischen den Plakaten der Traumfabrik.
Im Wohnzimmer meiner Eltern eine Ansammlung an Sofas für die Quaratäne, Beratung auf Abstand. Oma sitzt mit ihrem Teller am Klavier, da ist Abendsonne. Julia jammert über das zu weiche Bett, während ich am Telefon hänge. Ständig ruft einer an, der behauptet, wir hätten uns mal gekannt. Ich kann mich nicht erinnern und sage nichts, das zieht sich. Derweil fährst du mit Getöse und Anhänger davon.
Schlaflos vor lauter Namen im Kopf.
Im Traum eine Bergschlucht mit reißendem Fluss. Es wird schon dunkel, als wir unsere düstere Ferienwohnung betreten, kaum ein Lichtschalter tut. Die Küche liegt voller Backwaren und im Gefrierfach finde ich eine zerbeulte Cola-Dose, in der ein altes Handy steckt, tiefgekühlt. Das wurde hier versteckt und dann vergessen.
Bei einem Festival mit schlechter Musik Familienknatsch über die Zeltverteilung und Dinge, die auf dem ganzen Gelände verteilt liegengeblieben sind. Nachts drehe ich eine Runde mit Rucksack, um alles einzusammeln, da sehe ich auf der Bühne eine seltsame Performance mit Wurstaufschnitt. In einem weißen Zelt tanzen deine zwei Cousins, um die Tiere zu vertreiben, ich mache mit.
Früher oder später fällt mir ein, dass ich mein Fahrrad nicht angeschlossen haben könnte. Ich suche es überall und finde es unter der Treppe – zu gut versteckt, das war ich selbst. Kurz darauf fehlt es schon wieder. Zwei Jungs machen grinsend eine Testfahrt in immer noch größeren Bögen um mich herum.
Traum von eurem Büro-Umzug in ein schickes Haus mit Aussicht. Überall stehen ausrangierte Möbel der Vorgängerinnen, massenweise CD-Ständer, die ja wirklich niemand mehr braucht. Über einen liegengebliebenen Flyer versuche ich deren Bürostruktur nachzuvollziehen. Im Nebenraum üben die Damen noch schnell für eine Präsentation, alles etwas steif und gekünstelt. Dein Chef testet den neuen Drucker und wartet ewig auf den Ausdruck. Du holst ein paar Sachen aus dem Auto und verläufst dich im Garten. Könnte eine Weile dauern, bis hier alles rund läuft.
Im Traum ein Künstleraustausch, dann überstürzter Aufbruch, der Bus steht schon bereit, doch alles liegt noch voller Kunst und Taschen, die sich nicht so schnell zuordnen lassen. In der Tür steckt der Schlüssel, für den sich niemand verantwortlich fühlt. In der Ecke steht ein bekanntes Kunstwerk aus Holz und Schnüren, eine Klappkonstruktion, die mich schon lange fasziniert. Als ich den Künstler dazu kennenlerne, bin ich verliebt und wir turnen gemeinsam durch sein Werk. Mit großer Verspätung ist alles zusammengepackt und der Bus fährt los. Es ist so voll, dass manche in der Gepäckablage sitzen, direkt über mir die schöne Frau, die ich unaufhörlich anschauen muss, sie streichelt mich unauffällig. Die Reise wird zur Klassenfahrt, auf der Sabine von ihrem Sabbatical im Camper berichtet. Danach muss sie sich entscheiden, wie es weitergeht, Erwachsenwerden lässt sich ja nicht ewig verschieben.
Im Traum schieben wir ein Klavier durch die Straßen von Amsterdam. Es regnet, begleitet von Windböen, die das überhohe Klavier zum Schwanken bringen. Zuvor eine Entwurfsrunde mit Clara und dem Pianisten, der auch stadtbekannter Grafiker ist. Die beiden diskutieren – was ist mein Part in diesem Projekt? Auf einer Brücke fängt mich einer meiner Brüder ab, wir müssen aufs Schiff zu den anderen Prinzen. In meiner Kabine verkündet eine Durchsage, dass das königliche Abendessen stattfindet, trotz Trauerfall. Doch erst mal muss ich raus aus den regennassen Kleidern. Es dauert, bis ich ausgezogen bin und als ich es endlich geschafft habe, bin ich wieder angezogen, also nochmal von vorn. Im Duschraum dampft es aus allen Ecken, bei mir kommen nur ein paar kalte Tropfen raus. Ich wechsle den Raum, doch dort sind nur Klos und die Tür geht nicht mehr auf. So stehe ich da mit meinem Handtuch. Eine Frau öffnet die Tür mit ihrem Schuh, ich schlüpfe hinterher, vorbei an meinen Prinzenbrüdern, die mir vielsagende Blicke zuwerfen. Ich weiß: Bei dem Trauerfall geht es um den Pianisten, um den sie sich gekümmert haben. Ich mochte ihn gern. Beim Blick aus dem Fenster meiner Kabine sehe ich, wie unser Schiff langsam in den Hafen einläuft. Das Anziehen ist noch mühsamer als das Entkleiden vorhin, dann bleibe ich eben hier. Doch wir Prinzen werden erwartet.
Felix und Sven aus dem Nachbarhaus fällt die Decke auf den Kopf. Sie fragen bei der Hausverwaltung, ob sie den Garten im Hinterhof bepflanzen dürfen. Mit handgeschriebenen Briefen an den Kellertüren laden sie zum Mitmachen ein. Nach einer Woche Umgraben und Kampf mit Girsch werden zu Ostern die Primeln und Kräuter eingepflanzt, sogar einen Sandkasten haben sie unter dem Efeu freigelegt. Nach und nach schauen die Nachbarn bei ihnen vorbei, die mit den Kindern zuerst. Sie bringen Setzlinge, Gartenmöbel, Ostereier oder Wein. Wir finden im Schrank noch Samen für Schnittlauch, Rucola, Sonnenblumen und eine Schwarzäugige Susanne, »klettert« hat Mama vor Jahren in ihrer gut gelaunten Schrift darauf geschrieben, als sie noch Hoffnung hatte in unsere grünen Daumen. Beim Wasseranschluss im Keller finden wir einen Schlauch, das geht schneller als mit den Gießkannen zum Wasserholen in den dritten oder fünften Stock. So gießen wir das Werk der Nachbarn und sind gespannt, was hier wohl wächst und was nicht. Und ob sich nach Corona noch jemand um den Garten kümmert. Ein Gartenfest wäre nett.
Im Traum wird Kathi aufgefordert in der Probenpause zu berichten, wie sie Menschen unterstützt in diesen besonderen Zeiten. Stattdessen trägt sie Gründe vor, warum sie es nicht tut und sich jetzt nur noch um sich kümmert. Sie findet kein Ende und das Orchester rutscht unruhig auf den Stühlen herum. Später beobachte ich, wie Kinder dem U-Bahnfahrer zum Dienstschluss ein Eis bringen. Das machen sie jeden Tag, seit fast niemand mehr mitfährt.
Im Vorbeigehen höre ich sein »Strenggenommen« und mein Puls beschleunigt sich, als wäre er noch immer mein Vermieter.
Während wir telefonieren, fläze ich auf dem Bett oder Sofa herum, schaue den Schallwellen zu, knibble an meinem Zehnagel, schaue mir die Tapete schön. Seit wann ertrage ich sie?
Im Traum frage ich in die Tischrunde, warum wir ausgerechnet die Dächer der Häuser in Frankfurt so gelungen finden. Einer kennt sich aus mit Stadtplanungsgeschichte, er erzählt von einem Katalog mit Dachformen und Ziegeln. Dies sei einem Stadtoberhaupt zu verdanken, das auch die Straßen pflastern und den Park anpflanzen ließ, darum die alten Bäume unter denen wir nun sitzen. Die hohen Hocker sind fest im Boden verankert und stehen zu weit weg vom runden Tisch. Ich klettere runter und suche einen, der mir vorhin so gut gefallen hat. Du schaust mir hinterher, lachend und wohlwollend, denn du weißt, ich komme wieder.
Soleier
Das beste daran sind die Grimassen, wenn sich im Mund alles zusammenzieht. Großer Spaß!
Mittagsschlaf in der Sonne auf dem Bett. Alles ruhig in mir, jetzt auch die Haut. Nur langsam machen mich diese Tabletten, von denen schon eine halbe genügt, um mich in einen Dämmer zu versetzen. Es duftet nach gekochter Orange, die du zum Kuchen machst. Du bist wieder da, nach Tagen im Tunnel aus Bildern von Brücken mit Bäumen, zwar hier, doch neben mir. Du schlägst Eier auf den Metallrand der Schüssel, es klirrt und knackt sechsmal. Vom Bett aus schaue ich dir zu.
Die Zeit hat keine Bedeutung mehr. Wie viele Tage sind wir schon hier? Gestern war ich draußen, der Wocheneinkauf, danach war ich erschöpft wie sonst nach einer Reise. Wie anstrengend war unser Leben zuvor. Wie lässt sich ein Weniger leben, weniger Kommunikation, weniger Termine oder Rennerei? Im Sommer wäre es wieder soweit: Eineinhalb Jahre, länger hält doch keiner meiner Büroversuche.
Im Traum bin ich verliebt, er ist toll, wir knutschen auf der Straße, im Schlepptau zwei kichernde Mädchen, seine Schwestern oder die Nachbarskinder? Wir nähern uns der Straße meiner Kindheit, die Häuser haben Augen, also nehmen wir die Treppe – ein Umweg den ich früher schon gegangen bin, wenn mir der normale Weg zu langweilig war. Wir entdecken drei identische Gartenhäuser, die Tür zum zweiten ist offen. Wir schlüpfen hinein und fallen übereinander her. Als er mich küsst und auszieht habe ich keine Zweifel mehr: Er muss es sein! Im Kopf stricke ich an einer Erklärung für die Familie, gleich ist mein Geburtstagsfest, alle kommen wegen mir und ich bin nicht da. Ich versuche die Uhr zu lesen, muss sie dreimal drehen, bis ich verstehe: eine Viertelstunde noch. Da kommt jemand, zwei Kinder mit ihrer Mutter. Wir verstecken unsere Nacktheit hinter dem Tischtuch und beteuern, dass wir gerade gehen wollten.
Im Traum ein Fest, zu dem ich alle eingeladen habe. Ich verspreche ein veganes Buffet und dass ich Joghurt besorge, laktosefrei. Dann vergesse ich es doch und ernte einen vorwurfsvollen Blick von Vera, die ich nicht kenne. Aus Frust schlägt sie sich den Teller voll, noch bevor die Feier beginnt. Sabrina sortiert sich noch und schaut sich um: Wir stehen in einem langen Gang voller Licht und Menschen, der die Kirche mit dem Fest verbindet. Alles leuchtet, wir sind geblendet und werden einfach weitergeschoben ins Sonnenlicht.
Traum von einem Ausflug mit unseren Familien in ein Einkaufszentrum. Papa muss sich erst mal ausruhen und bleibt zum Mittagsschlaf im Auto. Die anderen gehen schon mal vor, Toiletten suchen und etwas essen – es gibt nur japanisch. Im Keller finden wir eine riesige Modelleisenbahn, die extra zu deinem Geburtstag aufgebaut wurde. In der Miniatur-Landschaft sind kleine Kameras installiert, sie übertragen die Zugfahrt für die Gäste auf die große Leinwand. Sie fährt über einen beigebraunen Teppich, den kenne ich noch aus meiner Kindheit. Du baust alle Gleise ab und draußen auf dem Parkplatz wieder auf, nur fehlen dir allerlei Weichen, deine Route ist zu komplex. Du bist so vertieft in das Verlegen der Gleise, dass du deine Gäste vergisst. Deine Familie kennt das schon und beschäftigt sich selbst, meine muss ich erst noch wiederfinden im Labyrinth der Gänge.
Statt in Frankreich in der Ruhe rings ums Schloss liege ich im halbrunden Park vor unserer Tür, umkurvt von Autos, die gerade sicherer sind als öffentliche Verkehrsmittel. Mittagsmüde liege ich im Gras und schaue zu den letzten nackten Ästen vor Blau. Kein Gedanke folgt dem vorherigen, jeder strebt in eine andere Richtung, wie diese Zweige über mir. Meine Haut kribbelt wie jeden April. Besser gleich wieder rein in die pollenfreie Zone, doch kurz Abstand tut gut. Die letzten Tage mochte ich dich nicht. Auch von der Begeisterung für meine Muse ist nicht mehr viel zu spüren, seit wir jeden Abend telefonieren. Inspiriert hat mich wohl doch das Zappeln, das Warten auf seine seltenen und dadurch kostbaren Zeichen.
Jede Bank im Park ist besetzt von ein oder zwei Personen. Ein Vater rennt mit seiner Tochter barfuß durchs Gras. Wie lange ist es her, seit ich barfuß draußen war? Einmal im Winter beim Spaziergang mit dir, ich wollte was spüren. Spitze Steine und kalter Matsch zwischen den Zehen.
Zwei junge Mamas mit Picknickdecke lassen sich neben mir nieder. Das Baby trägt einen riesigen Hut mit Blümchen, darunter runde Backen. Es will aufstehen, braucht eine Hand, dann steht’s und wackelt mit dem gut gepolsterten Po. Samt Decke wird es über die Wiese gezogen, der Sonne hinterher. Krabbelspaziergang durch Gänseblümchen und Löwenzahn Richtung lila Blütenteppich.
Eine Haarsträhne im Wind, ihr Schatten in meinem Buch, die Strähne schreibt mit, der Wind will mir was sagen. Keine zweihundert Meter von deinem Homeoffice entfernt, da liebe ich dich wieder sehr. Du nimmst es leicht, alles. Du vertraust, dem Leben und uns.
Im Traum ein Unwetter mit überschwemmten Häusern. Christian ruft an und sagt, sein Haus treibt davon. Damit sind auch meine Bücher futsch, die ich in seinem Keller gelagert habe. Eine Welle hat gereicht, um alle Kartons durchzuweichen, die Farben der Bücher verschwimmen. Mama sagt, das wars dann wohl mit deinem Verlag. Sarah fragt, ob wir noch zum Konzert wollen. Wundert uns eh, dass das stattfinden darf. Eine Ausnahme, danach wieder Quarantäne. Nur blöd für Christian, sein Haus ist ja weg.
Im Traum sitze ich mit Aaron auf seinem Bett, wir schauen einen Film, der genau zu meiner Stimmung passt. Er hat die Wohnung aufgeräumt, im Flur hängt eine Fotografie vom Flur in spiegelverkehrt – diese Raumaufteilung wäre besser. Er hat ein Faltblatt über mich gestaltet mit Fotos, auf denen vor allem meine Brille zu sehen ist. Wäre ich Optikerin, könnte das so passen. Meine Schwester soll unbedingt meine Foccacia probieren, auch wenn sie nicht mehr frisch ist und fast zu hart zum Kauen. Sie beißt hinein und nickt tapfer.
Im Traum eine Probe mit meiner Band, die zum Wohnzimmerkonzert wird. Ein Gast steht auf und unterbricht uns, um zu sagen, er muss jetzt los. Also hören wir auf und die Tapete wird rosa mit weißen Punkten und vielen Rissen und Bauschäden in der Wand. In der Mitte meines Schlafzimmers hängt eine lange Kleiderstange, vor lauter Kleidern geht die Tür kaum auf. Ständig kommen Leute rein, Bikinimädchen. Marion nimmt mich mit auf ihrem Fahrrad, das uns ohne Treten den steilsten Berg hinaufbringt. Heute beide gestreift, sie hellblau, ich gelb. Oben wollen wir zelten und lernen zwei Jungs kennen, mit denen wir die Nacht verbringen, am Lagerfeuer und später im Zelt – erst da erkenne ich dich, wie schön, so vertraut! Beim Aufwachen eine Melodie im Kopf, die Veronika mit mir geübt hat für ein Quartett. Ob ich das kann, so allein mit den anderen Stimmen?
Mein Mann hat sich den Bart abrasiert, jetzt sieht er aus wie auf den Fotos mit achtzehn. Ich kenne ihn nicht mehr und küsse einen Fremden.
In der Mittagspause wollen wir zu den Tischtennisplatten im Park, doch die sind mit rotweißem Band abgesperrt – dabei wäre der empfohlene Mindestabstand hier nun wirklich gegeben. Die Polizei patrouilliert und hebt bedauernd die Hände, gestern mussten sie sogar ein Paar vom Basketballkorb vertreiben. Zurück in den Nachrichten scheinen mir gesperrte Sportflächen und Spielplätze das kleinste Problem, die Lage in den Krankenhäusern New Yorks liest sich verheerend. Andrea schreibt aus der Geister-Stadt, die nur noch als Hülle besteht: Sie müssen jetzt innerhalb von sieben Tagen ihren Umzug organisieren, es gibt fast keine Flüge mehr zurück nach Deutschland. Über meine Träume muss sie schmunzeln. Auch so träumt sie sehr häufig von Verfolgungsjagden, Terroranschlägen, Zombies und Co, nun mischt sich das mit Naturkatastrophen und humanen Experimenten. Wo ich gedanklich schon in New York bin, schreibe ich Pete, es geht ihm gut, er ist zu Hause und wohnt noch immer in unserer Wohnung in Bushwick, in der er für immer bleiben wird – oder bis der Landlord das Haus verkauft. Er hat jetzt eine Katze namens Ivan und ein Programm für Chrome geschrieben, das ›Coronavirus‹ durch ›Boogaloo Flu‹ ersetzt.
Im Traum gehe ich zu einer Hütte am Rande der Wüste, ich war lange nicht da und hatte vergessen, wie einsam sie liegt. Um die Angst zu vertreiben, singe ich laut und tanze im Garten, der fast vertrocknet ist. Abends entdecke ich zwischen den Kissen ein schlafendes Mädchen. Erst erschrecke ich mich und renne raus, nur wohin? Über mir die Nacht voller Sterne, ringsum Geräusche, ein Rascheln und Knacken im Gehölz. Lieber wieder rein, wo das Mädchen aufwacht und mich beim Kochen unterhält. Später nehme ich mir ein Fahrrad und stelle es zwischen viele andere, wo ich es später nicht mehr finde. Dann nehme ich ein anderes und radle weiter, das wiederholt sich von Halt zu Halt. Das letzte Fahrrad ist ganz hell, fast durchsichtig, selbst die Reifen. Es wird auffallen, wenn das fehlt hier im Dorf.