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Herzrasen
Das Herz will mir was sagen, klopft wie wild, will mich warnen: Achtung, die sind gefährlich! Warum? Weil sie ganz genau wissen, wie sie dich aus dem Konzept bringen. Und das tun sie, um sich zu spüren.
Das Ich ist nun sie, die Dus kenne ich nicht.
Falter
Zwanzig Falter aus Papier. Kurz breite ich die Flügel aus in meinem Zimmer und falte mich schnell wieder ein, mache mich klein, bevor der Wirbelwind alles durcheinander bringt. Wieder schiele ich zum Haus im Garten und sehe meine Papierwerkstatt darin.
Habe ich dir das Haus schon gezeigt?
Komm mal vorbei!
Blitz
Ich lege meinen Kopf in die Ritze zwischen zwei Kissen, alle paar Atemzüge blitzt es darin. Meine Matratze, Decke und drei Kissen mischen sich zu einem grüngrauen Kompromiss um meinen kranken Körper, der sich nicht bewegen will, und doch ständig muss, auch das Baby ist krank. Stillen nach Bedarf, und der ist groß in dieser Nacht. Schnuller, Zudecken, Schnuller, Nähe, Schnuller, Abstand, Schnuller und wieder Stillen. Schlaf, bitte schlaf. Wenn es dann schläft, ist da noch mein Kopf, der nicht Nichtdenken kann. Im Fieber baut er mir unsere Ausstellung als mehrstöckige Geschichte auf Rädern. Wann immer ich wach bin, flüstern sich Uhrzeiten ins Geraschel von Bett und Papier. Mein Traum wird angezapft von einer dunklen Macht, die vom Baby nur eine Reihe kleinerer Hüllen und einen USB-Stick übrig lässt. Ich lausche jedem Atemzug neben mir und jedem Geräusch im Kinderzimmer nebenan. Immer waches Mutterhirn, Kranksein ist nicht vorgesehen.
Lücken
Mittwoch und wieder ist das Kind krank. Seine Fünftagewoche ist abgeschafft. Ich habe ja eh nur zwei konzentrierte Tage und für die Kunst sind höchstens die Lücken und Ränder vorgesehen. Weil ich nicht raus will und kann aus unserem Offenen Buch, schaut es die Sendung mit der Maus. Orange!
Ich mag deine Orangen im Seidenpapier.
Gestern lag ein schwarzes Seidenpapier in einem Paket, das habe ich gefilmt.
Jetzt werde ich gebraucht, muss wieder raus aus meinem Fluss und bin frustriert.
Fehlende Anhänge
Skizze Kachelübergang
Maßstabssprünge
Orangenmaterialproben
Rohzustand
Am Montag fühlen sich meine Hände riesig, riesenhafte Pranken, die einen Klumpen Ton kneten.
Am Dienstag sagen wir uns alles und sehen uns gut. In diesen Tagen nehme ich mehr Raum ein, als ich mir zugestehe. Mittags lese ich in dem Buch mit dem seltsamen Geruch.
Am Mittwoch will das Kind zu Hause bleiben. Wir verbauen jeden einzelnen Duplo-Stein.
Am Donnerstag erledige ich alles, was sich mein Postfach für den Januar vorgenommen hatte und bisher unmöglich schien.
Am Freitag sprudelt es nur so aus mir heraus, schon morgens um vier, als mich das Baby weckt. Um sechs stehe ich auf, setze mich an den Schreibtisch und um neun sprudelt es weiter wie im Traum, als ich im Schwimmbad meine Bahnen ziehe, unter mir die Kacheln, quadratisch, nein rechteckig, nein beides – wo ist der Übergang? Dreimal verpasst. Bei der vierten Bahn halte ich die Luft an und gleite über die Linie.
Plötzlich ist alles klar und da: Der Boden ist voller Buchseiten, Puzzleteile aus den letzten Jahren fügen sich zusammen. Geomerie, Architektur, Schatten, Licht, vergessen geglaubte Visionen rauschen durch mich hindurch. Es öffnet sich ein Spalt zu meinem Spielplatz in Straßburg voller Konzepte, die ich nicht zerdenken wollte. Plötzlich verstehe ich dich und den Rohzustand. Die Freude über deine Einladung in unseren Dialog ist wieder da, ich bin wieder da.
Klavier
Vielleicht erinnerst du dich:
Das kleinste Notenbüchlein der Welt: Ein Ton pro Seite, einer für dich, einer für mich und so weiter. Komponierst du das Stück? Dann mache ich das Buch.
Das Klavier bekommt ein winziges Notenbüchlein, ein Leporello, zwei mal zwei Zentimeter groß. Ich frage dich, ob es Bindebögen braucht. Du schickst mir zwei Interpretationen zurück. Die Melodie habe ich mir für das Kind überlegt, vor seiner Geburt.
Jetzt wartet es auf mich im Kindergarten, ich muss los und will nicht, seit Freitag schimpft es mit mir. Oh, diese Wut mit vier.
Erfüllung
Theo: Das darf ich nicht verraten, weil das ein Geheimnis ist, sonst geht meine Erfüllung nicht in Sicherheit.
Klick
Klick: Licht an
Klick: Licht aus
Klick: Licht wieder an
Klick: Aus
Bettgeraschel
Papiergeknüll
Knistersymphonie
Klavier?
Kissen
Wie klingt ein Bett aus Papier? Das Kissen mit Seidenpapier bezogen raschelt am Ohr und knistert noch nach, wenn der Kopf schon wieder weg ist, sein Abdruck bleibt. Deine Bilder schimmern hindurch, wie von einer Eisschicht zugedeckt, ungreifbar. Dann plötzlich ein Riss, aus dem Käfer krabbeln. Von einem schmalen Rand zum andern balanciert meine Aufmerksamkeit wie durch einen Nebel zu dir. Noch will
kein Traum zu mir.
Bis übers Ohr will ich bedeckt sein. Deckst du mich zu, liest du mir vor, siehst du den Schatten über uns? So wird der Raum zum Buch.
Wenn mein Kopf schon wieder weg ist, ist er wohl beim nächsten und übernächsten Essen. Orangene Suppe könnte es geben bei unserer Vernissage. Oder frisch gepressten Karotten-Apfel-Ingwer-Saft, wie heute hier.
Auszeit
Nächtelang erkläre ich Papa per Brief, was eine einsame Auszeit auslöst und warum wir lieber im Gespräch bleiben mit unserem Kind. Er will es nicht wissen. Und ich einfach in den Arm genommen werden. Er bestimmt auch.
Preisschild
Im Traum machst du Paula und Sascha ein Geschenk: Eine Schachtel mit Pralinen wie Kieselsteine zu einer philosophisch-geologischen Abhandlung, ein dünnes Heft. Du siehst, dass ich das Preisschild sehe, 447 Euro. Du wirst rot, nimmst die Schachtel wieder an dich und willst sie zurückgeben, wenn das noch geht. Kopfschüttelnd laufe ich durch den Raum zu Marlies und anderen stillenden Müttern am Boden zwischen Theaterproben. Dass ich obenrum nackt bin stört hier niemanden, nicht einmal mich.
Grasfrisur
Im Traum schwimmen wir durch eine Wasserlandschaft aus Kanälen, Strudeln und Becken, Mama redet ganz untypisch wie ein Wasserfall auf mich ein: Das geht doch nicht, so ein Lieben kreuz und quer. Vor uns schwimmt ein Typ, der sagt: In manchen Betten fühlt man sich eben wohler als in anderen. Auf seinem Kopf wächst grünes Gras in Büscheln, wild gemäht. Diese Grasfrisur bleibt mir tagelang im Kopf, bis ich sie jetzt endlich aufschreibe.
Klappkisten
Wer bin ich bloß geworden? Welche Teile von mir ich verloren habe, sehe ich in deiner Wohnung, als sei sie mein Spiegel: Schau, so frei und beweglich kann ein Leben eingerichtet sein.
Ina, Fragment in meinem Namen. Und ich? Entsetzt in deinem Archiv aus dreihundert Klappkisten direkt unter der Galerie. Fasziniert, wie du mit diesem Haus verwachsen bist.
Ist »Entsetzt« das richtige Wort?
Wertvolle Last.
Nöte
Stillen, alle zwei Stunden oder drei, maximal vier, länger bin ich nie allein, seit vier Monaten. Stillen, dann Stillliegen zwischen beiden Kindern. Das große hält bei jedem Atemzug die Luft an, um nicht einzuschlafen, und sagt: »Ich vergesse heute alles, was ich gut machen soll.« Zwei Stunden liegen wir schon wach im Dunkeln. Ich wünsche mir ein Gerät, das meine gedachten Sätze licht- und lautlos zu Zeilen schreibt, während ich hier so liegen muss, bis es gleichmäßig atmet und der Abend mir gehört. Und was mache ich damit? Jetzt Licht. Noch einmal deinen Brief lesen, der zwar mit mir am See war, doch dort wollte ich nur vergessen, mich weglesen, Trost finden: ›Other writers need to concentrate‹. Ich könnte dir das Buch schicken, bezweifle aber, dass dich die literarisierten Nöte schreibender Eltern so rühren wie mich.
Perlen
Im Traum ein Bergdorf mit Kriegsbaracke, ich will nicht weitergehen. Von oben sehe ich dich am Boden unter Wäschebergen glitschige Perlen entdecken, sie bewegen sich. Bestimmt übertragen sie Malaria oder etwas anderes. In meinem Bein steckt auch so eine Perle fest, ich kratze sie auf und weg. Draußen auf dem Platz essen wir sehr touristisch, der Lautsprecher knackt permanent, doch ich muss schreiben. Du siehst mich durch dein Glas mit Papier und Stift, nur da bin ich ich. Die halbe Nacht warte ich darauf, dass du das Baby wieder zu dir nimmst. Halboffener Schlaf, ohne Stift aus dem Traumland gekickt. Dieser Traum ist filmreif und wieder weg nach dem x-ten Stillen vom Baby und wieder Zudecken vom Kind. Was mir bleibt, ist dein verachtender Blick. Ja, ich war nochmal oben im Hotelzimmer, das jetzt deines ist. Ich sah deine Taschen vor dem Spiegel stehen, unausgepackt. Auf der Treppe kommen wir uns entgegen, du siehst mich misstrauisch an. Meinen Schuh und den Stift hatte ich dort vergessen, beteure ich und wedle damit. So verabschieden wir uns, der Traum und ich.
Orangenheizung
Nach einigem Stöbern fand ich das Bild vom Bild der Orangenheizung wieder, 2016 in einem Buch in Straßburg entdeckt. Was sich die Träume doch so merken, und was alles nicht.
Skizzenbücher voller Buchskizzen, seitenweise Zweiseiter träumen im Regal. Alle scannen und übereinanderlegen: verdichtetes Potenzial.
Treffen wir uns mal bei dir mit Papier?
Vom Text zum Bild
Du kommst mich besuchen in meinem Buchtraum, hier findest du dich. Du schimmerst zwischen den Zeilen hervor, spinnst feine Fäden von einem Fragment zum nächsten, zum Licht. Hier fallen mir deine Bilder ein. Ina! Fragment in meinem Namen. Und ich in deinen Bildern? Die ich nun sortieren will. Mein neues Du. Kein Zurück in den Text vom letzten Jahr. Er ist uns Material für neue Träume auf Papier, das knistert, knirscht und klingt. Wir reißen, schneiden, falten, knittern, knüllen, rollen uns ein. Schluss mit Papiertheorie, ran ans Material, rein in deine Bilder und raus aus dem Text. Und das Buch? Ein Traum. Nicht mehr. Mehr nicht.
Offenes Buch
Ich schreibe mich zu deinen Bildern.
Lege aus, was zu mir spricht.
Lese dich in meinen Texten.
Überschreibe mich an dich.
Wohin es uns noch blättert?
Buchschatten
Wie viel Freude mir das macht, dein Orange in meinen Texten! Deine-meine Sätze schlängeln sich durch die Galerie. Am Boden ein orangenes, meterlanges Lesebändchen am winzigen Buch, das orange angestrahlt einen riesigen Buchschatten auf Wand und Decke wirft.
Vor genau zwei Jahren träumte ich von einer orangenen Ausstellung. Und jetzt von einem Buch in Orange mit allen Texten, in denen Orange vorkommt.
Taghaus Nachthaus
»Wie schmerzlich war es, nur deshalb geliebt zu werden, weil man existierte. Was für eine Unruhe brachte eine solche Liebe mit sich. Wie sich die Gedanken vor Ungläubigkeit verwirrten, wie das Herz vom beschleunigten Klopfen anschwoll. Wie die Welt in die Ferne rückte und ihre Greifbarkeit verlor.«
»Auf Reisen trifft man letzten Endes immer auf sich selbst, als wäre man selbst sein Reiseziel. … Bei sich zu Hause hört man auf, sich mit sich selbst zu beschäftigen, und dann sieht man am meisten.«
»Und erst als sie aufwachte, begriff sie, dass sie sich auf eine Reise begeben hatte; vorher war es nur eine Fortbewegung im Raum gewesen, eine gewöhnliche, nicht weiter bemerkenswerte Ortsveränderung. Erst der Schlaf schließt das Alte ab und öffnet das Neue, der eine Mensch stirbt, der andere erwacht zum Leben. Dieser schwarze Raum ohne Eigenschaften zwischen den Tagen ist die wahre Reise.«
»Ich dringe durch den Mund ins Innere der Menschen ein. Die Menschen sind innen wie Häuser. … Von innen wirken diese Häuser unbewohnt. … Aber ich weiß, dass ich im Inneren eines Menschen bin. Das erkenne ich an kleinen Einzelheiten. Eine der Korridorwände ist fleischfarben und pulsiert leicht. Manchmal dringt aus der Tiefe ein fernes, gleichmäßiges Rumoren an meine Ohren, manchmal rutscht mein Fuß auf etwas Festem, Geädertem aus.«
»Sie lebten im Schloss, obwohl sie es weder erbaut hatten noch genau kannten, was bei den verschiedenen unerlässlichen Reparaturen besonders deutlich wurde. … Einige von ihnen studierten Philosophie oder Literatur, aber auch nur zu dem Zweck, ihr Leben in diesen paradiesischen Gefilden noch intensiver und voller auskosten zu können. Um Bescheid zu wissen. Um sich eines Ziels oder des Mangels eines solchen klar zu werden. Um sich darüber klar zu werden, wie es sein kann. Und das musste reichen.«
»Ich bin auch in einem Schloss geboren. … Ich stellte mir mein Zuhause immer als etwas Essbares vor. Wahrscheinlich habe ich es einmal aus Versehen wirklich gegessen, denn jetzt steckt es in mir drin, ein mehrstöckiges Gebäude mitten in mir. Wir bewohnen einander. Ich bin in ihm, und es ist in mir, manchmal fühle ich mich wie ein Gast darin, manchmal als Besitzerin. Nachts tritt das Schloss deutlicher hervor, es leuchtet grünlich durch die Dunkelheit. Im Sonnenlicht ist es zu grell, deshalb bleibt das Schloss tagsüber unsichtbar, aber ich fühle es in mir.«
»Es war schön. Man musste nur achtgeben, dass man nicht zu viel sagte und nicht zu laut. Dass man keine Meinung äußerte, nicht bewertete, nicht zu viel hörte, nicht hinschaute. Das war nicht schwer, denn sie hatten ja einander und das Haus und das Klavier und die Blumen im Garten.«
»Von diesem Zeitpunkt an konnten die beiden sich nicht mehr daran erinnern, was sie den ganzen Tag über gemacht hatten. Ein Tag erschien wie der andere. Das Verrinnen der Zeit ließ sich nur an den Wäschehaufen im Badezimmer ablesen.«
»Wie sieht die Welt aus, wenn das Leben nur noch Sehnsucht ist? Sie sieht papieren aus, zerkrümelt zwischen den Fingern und zerfällt. Jede Bewegung betrachtet sich selbst, jeder Gedanke betrachtet sich selbst, jedes Gefühl fängt an und hört nicht auf, und zum Schluss wird der Gegenstand der Sehnsucht selbst papieren und unwirklich. Nur das Sehnen ist wahrhaftig und macht abhängig. Dort zu sein, wo man nicht ist, das zu haben, was man nicht besitzt, jemanden zu berühren, den es nicht gibt. … Vor dieser Sehnsucht kann man nicht fliehen. Man müsste dafür dem eigenen Körper entfliehen, aus sich selbst hinaus. Soll man sich betrinken? Wochenlang schlafen? Sich bis zur Besessenheit in Aktivität verlieren?«
»Mir ist, als hätte ich alle Pullover der Welt schon einmal angehabt.«
Olga Tokarcuk: Taghaus Nachthaus
Schnürsenkel
Im Traum probiere ich Schnürsenkel mit Soße von meinem Nebensitzer, ein dünner Mann, dem das Essen nicht schmeckt. Gegenüber wird eine fade Schuhsohle mit Kimchi verfeinert, ich esse den Rest. Von zwei Seiten höre ich Klagen der Liebe, die spontan zu mir wandert. Ich will sie nicht, wie ich auch euer Essen nicht wollte, ich hatte absichtlich nichts bestellt.
Gefallen
Ich liege wach mit deinem Husten, der in mir eingezogen ist, er bleibt mir treu für den kleinen Rest unserer Zeit. Deine rosa Lippen tanzen im Bunker mit ihr und allen, denen du noch gefallen sollst. Gefallen aus allen Wolken ins Nichts deiner Worte, die schon verblassen, wenn du sie schreibst und verschwinden, wenn sie mir gefallen haben, oder wem? Austauschbares Du, für sie, für dich. Sie fragt dich nicht nach mir und mich nicht nach dir. Ausgesprochen verfliegt ihr der Zauber jenseits der Worte. Ich kenne ihre Heimlichkeiten zu gut, schütze mich vor ihr, in die du fällst. Treuer Husten hältst mich wach und aus für heute Nacht.
Elefantenbrunnen
Im Traum sitzen wir in einem Bus, er fährt nicht los und wird immer voller. Wir steigen aus und gehen zu Fuß zum Meer. Es ist zu heiß, kein Schatten weit und breit, nur gleißendes Sonnenlicht. Also wieder in die Stadt zu einem Brunnen mit Elefanten aus Stein, von dem du gelesen hast. Wir klettern barfuß auf ihren Köpfen herum, jeder Elefant spritzt anders. Humpelnd zeigst du mir einen Paravent, hinter dem sich ein kleiner Elefant versteckt, schon grün vor Moos. Auf deinen Wunsch steige ich auf seinen Kopf, da plustert er wummernd die Backen auf und taucht ab ins Dunkel mit mir und wieder auf. Er spritzt aus allen Poren dich und dein Buch nass, du lachst.
Schokoladenhaus
Im Traum sitze ich unter freiem Himmel im Theater, wo sich Schauspieler ihre Spielpartnerinnen im Publikum suchen, ich bin eine der Auserwählten mit zwei Schmetterlingen, die ich dann doch anderen überlasse. Ein eiförmiger Bus fährt herein und kriecht den Berg hinauf nach Haus. Zu Fuß bin ich schneller, ich laufe ihm voraus, bis er mich einholt, der Fahrer besteht darauf, dass ich einsteige, es ist der Schauspieler, der mich wollte. Er will Bruchschokolade mit mir machen, mit lustigen Toppings, das klingt gut und du beobachtest amüsiert, wie ich in seinen Arm hüpfe, Huckepack trägt er mich bergauf zu seinem Schokoladenhaus.
Notiz
»Für mich hat so ein Notizbuch den Vorteil, dass es mich immer daran erinnert, wozu ich auf Erden bin – um von Dingen Notiz zu nehmen.«
Richard Ford
Flüchtigkeit
»Die Momente zwischen den Lesenden und Schreibenden sind Geschenke, deren Schönheit in ihrer Flüchtigkeit besteht. All das sagt vor allem eins: dass wir als Schreibende vielleicht gar nicht so genau wissen, was wir tun.«
Daniel Schreiber
Kleid
Dein Buch ist ein Kleid, das deinen Körper einhüllt, es raschelt, wenn du dich darin drehst. Zu Kleidern kamst du über den Tanz, nun kleidest du dich als Buch für mich, willst gelesen werden, sortiert, die Seiten ohne Reihenfolge übereinandergeschichtet, ich kann dich nicht lesen, nicht in diesem Licht und schon gar nicht in diesem Kleid, das dich verdeckt. Zugedeckt mit seitenweisem Text ohne Ende und Anfang, wie lose Fäden hängen die Sätze von dir weg. Erst jetzt sehe ich den Raum, in dem wir uns drehen: Text über Text an Wänden, Boden und Decke, sie flüstern und rascheln im Wind, der durch das nächtliche Fenster in dich und dein Kleid weht, dein Buch, das du jetzt ausziehst. Darunter trägst du nur noch ein Wort auf deiner Haut, am Ellbogen, was steht da für immer für dich? Imagine.
Lesemaschine
»Schlussendlich ist ein schönes Buch vor allen Dingen eine perfekte Lesemaschine (…); und es ist gleichzeitig ein Kunstgegenstand, ein Ding, aber eines mit Persönlichkeit, das die Zeichen eines eigenen Denkens trägt.«
Paul Valéry 1926