Ordnung steht in Klebebuchstaben am Küchenfenster, ein Überbleibsel der vielen Dinge im Haus, die Walter vielleicht nochmal gebrauchen konnte. Ordnung hat mein Vater gestern auf den Weg gebracht, natürlich fehlt mir jetzt das Moos auf den Platten und so manche Zeitschicht, die sie zusammenhielt. Verwunschen fanden wir den Garten vor fünf Jahren und mit seiner unfassbaren Größe wird er das immer irgendwo sein, auch wenn wir es nicht ganz lassen können, ihm unsere anerzogene Ordnung beizubringen. War mir dieser Ort nicht ein Gegenmodell zur akkuraten Prägung? Das schiefe Haus mit seinen Rissen. Du sagst, alles was wir hier tun, macht es besser als vorher. Ich bin mir da nicht so sicher. War es nicht perfekt in seinem unberührten Potenzial? Ein Ausstellungsstück, ein Museum der Gerüche, nicht nutzbar, ja. Die neue Küche ist nun irgendwie »geworden«, sagst du. Was sagt das über uns als Architekt und Gestalterin? Wir nehmen das, was da ist: Dunkelrote Wände, weil Shirley drei Eimer Farbe übrig hatte, ursprünglich gedacht für ein Restaurant in Frankfurt, feucht abwischbar. Ansonsten überall Kalkfarbe gegen die Feuchtigkeit, wie Baubiologe Alfred empfohlen hat. Nachts fällt mir das alte Küchenschränkchen aus Walters Labor wieder ein, statt dem geplanten Ikea-Unterschrank mit Kühlschrank, Spüle und Müllsystem. Mehr Charme mit versteckten Rotznasen aus Leim der handwerklichen Massenproduktion in den Fünfzigern; die Griffe wie in Uromas Küche, Poggenpohl vielleicht. Und weil er gerade so darunter passt, bestelle ich einen kleinen Retro-Kühlschrank in Hellblau, weil Beige zu langweilig wäre. Das Plastik innen sieht nach Barbie aus, doch bestellt ist bestellt und wir sind nicht gut im Zurückschicken. Ein schwarzes Spülbecken, weil du vor Wochen schon die schwarze Armatur bestellt hattest (Niederdruck für den Durchlauferhitzer) und die passt zum schwarzen Rohr. Die Arbeitsplatte aus Seekiefer, eigentlich zu dünn, doch geschenkt. Du sägst ringsherum eine zentimeterbreite Fuge parallel zur welligen Wand, damit die Luft durchstreichen kann – und dieses »durchstreichen« sagst du so liebevoll, als seist du die streichelnde Luft, die du so gerne wärst für mich. Unsere Liebe stecken wir in dieses schiefe Haus. Fügen ihm unsere Schichten hinzu, die Werweißwer in wie vielen Jahren mit seinen Träumen weiter überstreichen wird. Sofern das Haus dann noch steht und sich jemand findet für derlei Spaß.