Im Traum blättere ich durch ein Buch mit mehreren Geschichten, die durch ein sich wandelndes Inhaltsverzeichnis voneinander abgetrennt sind. Ich lese die erste Geschichte und schaue aus den Augen eines kleinen Jungen aus dem Fenster einer Wohnung, vor der täglich ein gelbroter McDonald’s-Clown vorbeigeht. Der Junge und seine große Schwester verkleiden sich wie der Clown und eines Tages schaut er tatsächlich zu ihnen durchs Fenster und albert mit ihnen herum, bis ihn die Mutter hereinbittet und eine leidenschaftliche Affäre mit dem Clown beginnt. Der Junge versteckt das Clownszeug im Keller, wo er sich eigentlich nie hintraut, denn zwischen der trocknenden Wäsche spielen nur die Nachbarn: Zwillinge, die mal Drillinge waren. Sie spielen nur solche Spiele, für die es drei braucht. Damit beginnt die zweite Geschichte mit dem Titel ›Act To One Another‹. So führt ein Stichwort weiter zur nächsten Geschichte, kreuz und quer durch das Haus und das Buch, das sich übrigens sehr gut aufschlagen lässt.
Traum von einem Klassentreffen, für das jemand richtig gut recherchiert hat. Auf jedem Platz steht eine Geschenktüte mit Anspielungen auf den eigenen Lebenslauf. Über jeden wird eine Präsentation gezeigt, humorvoll und tiefgreifend – ein Spaziergang durch die 18 Jahre, in denen wir uns nicht gesehen haben. Über mich wurde ein Film gedreht mit einer rothaarigen Frau, die durch eine Stadt aus gestapelten Büchern tanzt. Immer wieder stürzt sie in die Tiefe auf ein Trampolin, das sie wieder nach oben katapultiert und auf die Füße stellt. Über meinen Nebensitzer erfahren wir, dass er erst neulich seinen Vater ausfindig gemacht hat. Und später jubelt der ganze Saal bei der Meldung, dass Ende des Jahres nun endlich auch ich Mutter werde. (Wohl genau dann, wenn das Klassentreffen tatsächlich stattfinden wird.)
Traum vom Aufbau einer Ausstellung mit riesigen Büchern, aufgefächerte Seiten schaffen Nischen für Exponate. Sarah bittet mich, ihr beim Formulieren der Texte zu helfen. Ihre Nische hat sie fertig eingerichtet, in der Hoffnung, die Ausstellung würde morgen eröffnen, doch alle anderen sind leer. Eine Kuratorin bittet mich um fünf Treppenbücher für ihre Ausstellung. Kurz darauf erklärt sie mir, dass schon alle weg sind – einfach mitgenommen. Gab es denn keine Aufsicht?, frage ich fassungslos und denke an die wenigen verbliebenen Bücher im Lager. Nebenan inszeniert ein Künstler das Einstürzen der Glaskuppel des Turms, die künftig durch einen transparenten Ballon ersetzt werden soll. Was für ein Lärm und alles liegt voller Glassplitter.
Im Traum verschanze ich mich mit meiner Schwester im leeren Haus eines LKW-Fahrers. Wir kamen über die Garage rein und nur nachts traue ich mich mal raus, um zu schauen, ob man uns von außen sieht. Die Nachbarn legen ihren Garten neu an, mit weißen Steinen, die im Mondlicht leuchten. Später wohnt auch Christian bei uns, und Sarah, die uns irgendwann verpetzt. Christian hat ein rot geschwollenes Auge – jemand musste ja verprügelt werden für diese Dreistigkeit. Er lacht darüber und wir kabbeln uns auf der Sofalandschaft. Julia und ich finden eine Kiste mit Kleidern, ich wähle ein goldenes mit allerlei Broschen und Ketten, die ich dann doch weglasse, damit der Ring mit der roten Miniatur-Sonnenbrille besser zur Geltung kommt, und auch die floralen Tattoos auf meinen Armen. Julia findet ein goldenes Minikleid und nimmt sich den Schmuck. Mama lacht, als sie uns sieht und Papa sagt: Die goldenen Schwestern.
Traum von einer Großbesprechung im Freien mit Mindestabstand. Da sich die Pfarrer ständig sehen, sitzen Sie als Familie zusammen auf einer Decke. Spät am Abend wird ein Taxi gerufen, in dem auch für mich noch Platz ist.
Traum von einem Ausflug mit Sarah, Christian, Tobi und Jonah in einen rosa blühenden Park. Wir legen uns auf eine Wiese und schlafen, bis mich ein Kind mit einer Plastikflasche bewirft. Ich bin zu müde, um mich zu wehren.
Später Chorprobe an einem Strand, wir sitzen alle sehr weit auseinander und der neue Dirigent ist enttäuscht, dass wir nicht auf Anhieb vom Blatt singen können. Wütend geht er davon, woraufhin die Männer schwimmen gehen. Eine Baggerschaufel wirft eine Ladung Sand über mir ab, meine Beine sind so tief eingegraben, dass ich nicht aufstehen kann. Ein blonder Junge hilft mir beim Ausgraben meiner Beine und zeigt mir einen grün bewachsenen Unterstand, hier sitzen wir geschützt vor Sonne, Wind und Sandangriffen. Anfangs bin ich noch genervt, er redet etwas viel und lacht die ganze Zeit. Später nehme ich seine Hand, er passt auf mich auf.
Im Traum sitzen wir wartend in einem Schloss. Frühstück wird serviert und wir essen, erst gelangweilt, dann voller Interesse. Es gibt ein Brot, das aus alten Brotscheiben neu zusammengebacken ist, außen mit Schokolade und gehackten Pistazien verfeinert, innen recht kross wie Zwieback. Die Bediensteten sprechen aufgebracht miteinander. Obwohl wir die Sprache nicht verstehen, bemerken wir ihren Unmut darüber, dass wir die Brötchen und Croissants nicht angerührt haben. Wir wechseln auf ein Sofa und bewerfen uns mit Früchten aus Stoff, ich versuche mit den Aprikosen zu jonglieren, klappt nicht. Wir nehmen uns Kuchen auf die Hand und machen einen Spaziergang durch den Park, nur Clara und Georg bleiben zurück und fallen übereinander her.
Im Traum kümmert sich die Nachbarin aus der Wohnung nebenan um unsere, während wir weg sind. Als wir zurückkommen, hat sie mit ihren Kindern die Wohnung besetzt und sämtliche Vorräte verkocht, denn in den Läden gibt es nichts mehr. Ihre Kinder toben durch die Räume und finden allerhand Kram, den sie unbedingt behalten wollen. Sie lacht uns aus und du sagst, da siehst du, wie wichtig eine gute Vorratshaltung ist.
Im Traum ein Essen im Wald mit Clemens und seinen Freunden. Es gibt Kokosnuss und Currykugeln. Ich sitze neben einem, der mir von seinen Kindern erzählt und von seiner gescheiterten Ehe, er wohnt jetzt wieder in seiner Studentenhöhle und sortiert sein Leben. Seine Tochter springt von einer Pfütze zur nächsten, als wir aufbrechen landen auch die anderen darin und sind von Kopf bis Fuß mit Schlamm verschmiert. Das richtige Outfit für das Festival, zu dem wir wollen. Auf dem Weg sehe ich seine Tochter in einer winzigen Höhle verschwinden, sie selbst wird winzig, der Eingang führt durch meine Handtasche. Aufgeregt berichte ich dem Vater davon, der einen Zaubertrank dabei hat, mit dem auch wir uns schrumpfen können, doch erst mal werden wir riesig, schleichen über winzige Straßen und versuchen, die Autos und Passanten in Ameisengröße nicht zu zertrampeln. Zurück im Wald nähert sich ein knurrendes Monster, vor dem wir in die kleine Höhle flüchten. Dort treffen wir auch die Tochter wieder, sie trägt einen gelben Schirm als Hut und stellt uns ihre neuen Freundinnen vor. Alle haben sehr lange Haare, ewig waren sie hier drin. Die einzige, die noch groß ist und uns zurückverwandeln kann, ist die Mutter, die mit einer Schere am Höhleneingang auf uns wartet. Die Haare schneidet sie uns, solange wir noch klein sind, mit einem Schnitt. Nun haben wir alle die gleiche Frisur.
Im Traum lasse ich mich durch Lissabons Abenddämmerung treiben und finde auf einem Hügel ein gemütliches Restaurant. Bunte Lichterketten, entspannte Gäste auf Sitzkissen und Kellner in abgetragener Kleidung stehen im Kontrast zu den Preisen für Speisen und Getränke, die ich nicht bezahlen kann, ich habe viel zu wenig Bargeld dabei. Ein Mann am Tisch lädt mich ein, ich will ihm das Geld am nächsten Tag zurückgeben. Bis ich da das Restaurant endlich wiedergefunden habe, ist es Abend. Der Mann ist nicht mehr dort, der Kellner beschreibt mir das Haus, in dem er wohnt, nicht weit weg. Ich treffe ihn an seiner Tür, er muss schnell zum Bahnhof und für ein paar Tage weg. Ich renne mit ihm die steilen Treppen hinab und durch ein ehemaliges Industrieareal, in dem nun Ausstellungen stattfinden. Wir werden langsamer und schauen uns die Kunst dann doch genauer an. Ein Irrgarten aus Tüchern, in dem wir uns verlieren und wiederfinden. Er verschiebt seine Reise auf morgen, will bei mir bleiben, wenigstens heute Nacht. Am nächsten Tag ist er fort und die Stadt hat ihre Farben verloren. Ich irre durch die Hügel, treffe Sarah und Philipp, gemeinsam suchen wir das Restaurant mit den Lichterketten, das es nicht mehr gibt. Meine Schulden konnte ich nicht bezahlen, keiner ließ mich.
Ein letztes Aufbäumen der Prinzessin, bevor alle Aufmerksamkeit der nächsten Generation gilt.
Traum von einem Segeltörn, bei dem Christoph erst mal das Boot umwirft und damit auch mich samt Handy und Geldbeutel ins Wasser schubst. Es dauert, bis das Boot wieder aufgerichtet ist. Musste das sein? Ja, sagt Christoph, denn jetzt wissen wir, wie das geht. Wir legen an und schlendern über eine Insel voller Menschen und Attraktionen. Ich bin nackt und habe mein Handtuch vergessen. Wir kommen an überfüllten Stränden vorbei und in einer Höhle mit Wasserfall, vor dem die Leute Schlange stehen, um in seinem Heilwasser zu duschen. Unser Ziel ist ein quietschbuntes Hotel, an dessen Pool sich eine braungebrannte Frau mit Zitrone einreibt. Ich lege mich auf einen Liegestuhl, du musst kurz weg und kommst nicht wieder. Die Frau telefoniert und berichtet lautstark vom Fencheltee, den sie gerade trinkt, der tut ihr so gut, sagt sie, und von einem Trick mit Mullbinden um einen Korken, der im Mund des Mannes bei ihr Orgasmen auslöst. Nur wie sie den präparierten Korken anschließend wiederbekommt, weiß sie noch nicht. Ich will ihrem Telefonat nicht länger zuhören und gehe zur Rezeption, die wie eine Felsenfestung inszeniert ist. Ein Typ ruft mit verstellter Piepsstimme hinauf, bis der Rezeptionist hinunterschaut und seinen Kollegen auslacht. Ich frage ihn, ob mein Mann eventuell schon eingecheckt hat, und komme mir vor wie im Film, wenn die Ehefrau ungelegen ins Hotelzimmer platzt. Raum Ipanema, Nummer 20. Und wie komme ich da hin? Er braucht lange für seine Wegbeschreibung, die einmal über die Insel führt. Ob ich das finde? Und ob du dann noch da bist?
Im Traum bekomme ich per Post eine Einladung zu einem Radiointerview. Ich versäume, den mehrseitigen Einladungstext zu lesen und bin etwas überrumpelt vom Thema: Es geht um Gene und Gendefekte, wozu ich nun wirklich gar nichts sagen kann. Statt mich vorzustellen steigt die Moderatorin mit der Frage ein, wie es für mich sei, mit dem Lukas-Syndrom zurechtkommen zu müssen. Ich habe keine Ahnung, wovon sie spricht und improvisiere: Falls sie darauf anspiele, dass ich immer wieder Neues mache, statt bei meinem Beruf zu bleiben, das sei bei mir nunmal so angelegt und für mich auch völlig stimmig. Die vielen Berufsbezeichnungen nutze ich nur als Erklärung für diese Mischung, die keinen Eigennamen hat. Sie schüttelt fassungslos den Kopf und stoppt das Interview. Ich gehe duschen in einem Bad, das eigentlich nur ein Waschbecken hat, doch wenn ich mich ganz klein mache, wird der Wasserhahn zur Dusche. Was ziehe ich an? Im ganzen Zimmer liegen meine Kleider verstreut. Noch nicht ganz angezogen werde ich von einem Interviewpartner abgeholt, der mich fröhlich darauf hinweist, dass es ja nur Radio ist und somit egal, was ich trage.
Auf einer Reise durch China überredest du mich, in einem Elektroladen ein kleines teures Gerät in die Verpackung eines großen Billiggeräts zu stecken und mitzunehmen. Wenig später sind wir auf einer Party und werden von einer Polizistin verhört. Ich lüge für dich und mache dir Vorwürfe im Badezimmer. Du weißt selbst nicht, warum du das gemacht hast. Versehentlich lassen wir auch noch einen transparenten Bauhelm und einen Gesichtsschutz aus Plastik mitgehen. Sie werden uns kriegen, hier ist doch alles videoüberwacht.
Im Traum ein Einkauf in Fridingen, der Laden ist wie ein Markt aufgebaut. Am Gemüsestand probiere ich mich durch die essbaren Blumen und nehme alle Gemüsesorten mit, die ich noch nicht kenne. An der Kasse wird Antonija ein Strafzettel ausgestellt, weil sie keine Maske hat – das gibt einen Strafpunkt in Flensburg, wo sie nun nicht mehr nur für Autofahrer verantwortlich sind. Ich drehe noch eine Runde durch den Laden – Hefe gibt es immer noch nicht. Ich treffe Oma, die es nicht mehr aushält und endlich mal wieder selber einkaufen gehen will. Wir beobachten zwei, die sich an den Zwiebeln bedienen, direkt hineinbeißen und vom Ladenbetreiber noch ein paar Reste zugesteckt bekommen. Ich habe einen Tretroller und rolle schon mal vor, um dann an der Ampel wieder auf Oma zu warten. Sie hat den Weg zu sich nach Hause vergessen, wir gehen durch den Flur ihres Nachbarn, der aus dem Keller guckt. Oma quatscht sich fest, ich rolle weiter und warte vor Ihrer Haustür.
Im Traum finden wir ein Haus und ziehen testweise ein – mein Zimmer hat eine bogenförmige Fensteröffnung ohne Scheibe, könnte kalt werden. Veronika erzählt aus ihrem Leben, in dem auch immer wieder mal Zeit für das Kloster war. Noch heute kehrt sie einmal jährlich zurück in ihre Stammzelle. Wir öffnen eine Truhe mit kleinen Kostbarkeiten wie historische Kronkorken und hübsch bedruckte Metalldöschen, die nach und nach fotografiert und projiziert werden. Als es mir zu langsam geht, versuche ich es mit mehreren Gegenständen pro Bild. Die Kompositionen und Arrangements werden ein Erfolg, bejubelt vom Publikum.
Im Traum ein schwimmendes Haus, darunter Schwäne, zwei davon sind tot oder aus Keramik. Zum Sterben kehren Schwäne an ihren Geburtsort zurück, lernen wir in einer Doku.
Im Traum ein Buffet mit Nüssen, geformt wie Tetraeder, und etwa fünf Zentimeter groß, ganze Tabletts mit Feigen von frisch bis getrocknet, Himbeertörtchen. Ich kann nicht aufhören alles zu probieren, während nebenan mein Chor probt. Ich habe meine Noten verlegt.
Im Traum Tipps zur Geburtsvorbereitung: Atemübungen mit Zeichnungen, die auf der Rückseite des Papiers weiteratmen. Oder atmend aus Ton Figuren modellieren, möglichst organisch.
Im Traum nehmen zwei Jungs hinter meinem Rücken mein Gepäck auseinander und machen sich darüber lustig. Als ich es bemerke, mache ich ihnen eine Szene, kleinlaut packen sie alles wieder ein. In der Zwischenzeit bereitet sich alles vor auf einen großen chinesischen Tanz. Raumteiler werden zur Seite geschoben und die Treppe, auf der ich stehe, wird elegant im Boden versenkt. Ich erklimme die Stufen und bin auf Höhe des Bodens, kurz bevor der Deckel sich schließt. Die Parade ist beeindruckend und wir Zuschauer werden durch den Saal geschoben. Ich tanze mit einem Mädchen, das seine Schuhe verloren hat. Alle Schuhe, die hier rumliegen, sind ihr zu klein. Im Nebenraum gibt es ein Buffet, an dem wir ewig anstehen. Als ich dran bin, gibt es keine Teller mehr, doch Naomi hat sich so viel aufgetan, dass ich bei ihr mitessen darf. Nun brauche ich mein Gepäck, das überall verstreut ist. Zwei Koffer, Rucksack, Schlafsack, Isomatte, große Mappe, Tasche mit Proviant. Ich überrede den Busfahrer dort anzuhalten, wo die beiden Jungs von vorhin auf mich warten – pflichtschuldig helfen Sie mir beim Tragen. Die neue Haltestelle finden auch die anderen Passagiere praktisch, sie wird in den Fahrplan aufgenommen.
Im Traum suchen sich Naomi und Matthias das schönste Zimmer aus, Sie haben das kleinste Gepäck, doch hunderte Nägel dabei, mit denen sie eine Wand zum Igel machen. Das sieht spannend aus. Nur dass das Zimmer kein richtiges Bett hat, merken sie erst nachts.
Mich zu berühren ist für dich in etwa wie Fußball zu kommentieren – völlig außerhalb deiner Vorstellung davon, wer du bist und was du kannst und willst. Wie das Telefonieren. Ich habe mich in deinen innersten Kreis eingeschlichen. In den Favoriten deines Telefons stehen deine Omas, deine Mama und vielleicht noch dein Bruder, dann ich. Wie habe ich das geschafft? Indem ich dir das Gefühl gab, es ginge nur um dich. Der Narziss in dir fühlte sich geschmeichelt, zwang sich anfangs noch und seit es Routine ist, fehlt etwas, wenn mein abendlicher Anruf ausbleibt. Unsere Telefonate sind anders, Corona kommt kaum vor, wir bewegen uns in einer anderen Zeit. Vier Tage noch. Mir fallen keine Fragen mehr ein. Drehen wir es doch heute mal um: Was willst du wissen?
Im Traum liegen wir gemeinsam unter einer Decke, beide nackt, beide im Halbschlaf, beide im Wissen, dass nein. Und doch finden sich unsere Körper auch ohne uns, deine Hände auf meiner Haut, im Schlaf, forschend, ohne Ziel. Du findest es spannend, wie sich ein weiblicher Körper anfühlt und ich bin überrascht über deinen. Ums Handgelenk trägst du einen blauen Skarabäus mit roter Schnur.
Im Traum eine Zugfahrt durch China, vor dem Fenster die Großbaustelle einer werdenden Stadt mit bunten Rohren und abstrakte Formen, die ich unbedingt fotografieren will. Auch Bäume mit rosa Blüten, halb vom Nebel verschluckt. Doch mein Handy streikt, kein Bild wird abgespeichert. Im Hotel angekommen suchen wir die Rezeption und finden sie im Keller, der Eingang ist so niedrig, dass wir gebeugt hinuntersteigen. Hinter dem Tresen keine Chinesen, auch nicht in der Armee – alles Amerikaner, die hier die Stellung halten. Später sitzen wir in einem überschmückten Raum mit Glitzerelementen, die ich auf eine Schnur auffädle, um hier wenigstens ein bisschen aufzuräumen. Wir decken die Tische in mehreren Räumen für ein großes Fest, zu dem niemand kommt. Wir verteilen die Kuchen unter den Helfern und ich juble jedem ein paar Dinge unter, die ich nicht mehr haben will.
Seit zwei Wochen habe ich einen Ohrwurm. Der geht erst weg, wenn wir das Original gefunden haben. Ich kann die feine Melodie summen, dazu haucht eine Frauenstimme vorsichtig »and I sleep … sleep …sleep«. Doch wie das Lied, zu dem wir in unserer ersten Nacht in Berlin getanzt haben, werden wir es nicht mehr finden in deinem Meer aus Musik.
Im Traum ein Telefonat mit Jana, ihre Stimme kommt aus dem Handlauf eines Treppengeländers, das sich plötzlich bewegt. Ich gehe hinterher, um den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, nur rollt es in die falsche Richtung. Dann steht Jana neben mir und fragt, ob wir zur Skihütte spazieren, um heiße Schokolade zu trinken. Als wir ankommen, schließen sie gerade – geänderte Öffnungszeiten aufgrund der Pandemie. Jana spricht von ihren Zweifeln zur Nachbarschaft, der Tratsch, ein Leben lang – hält sie das aus? Doch mag sie das Haus, das von ihrer Schwester umgeplant wird statt von dir, was du noch nicht weißt. Wir brechen auf, sie bleibt ratlos zurück, kurzärmelig im kalten Abendwind.
Im Traum drehe ich eine Runde mit dem Fahrrad, um allen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, zumindest mal von weitem zuzuwinken. Oma steht vor dem Haus und wird von der Tante abgeholt, die sich jetzt auch mal kümmern möchte. Oma weiß nicht, was sie davon halten soll. An einem Bootssteg treffe ich Christian, dem ich Proviant für seine Reise mitbringe. Und zwei alte Kameras, die ich versehentlich eingepackt hatte vor zehn Jahren, sie gehören ihm.