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Christina Schmid
Anfänge und Enden

Blog:

Radiointerview

Im Traum bekomme ich per Post eine Einladung zu einem Radio­interview. Ich versäume, den mehrseitigen Einladungstext zu lesen und bin etwas überrumpelt vom Thema: Es geht um Gene und Gendefekte, wozu ich nun wirklich gar nichts sagen kann. Statt mich vorzu­stellen steigt die Moderatorin mit der Frage ein, wie es für mich sei, mit dem Lukas-Syndrom zurecht­kommen zu müssen. Ich habe keine Ahnung, wovon sie spricht und impro­visiere: Falls sie darauf anspiele, dass ich immer wieder Neues mache, statt bei meinem Beruf zu bleiben, das sei bei mir nunmal so angelegt und für mich auch völlig stimmig. Die vielen Berufs­bezeichnungen nutze ich nur als Erklärung für diese Mischung, die keinen Eigen­namen hat. Sie schüttelt fassungslos den Kopf und stoppt das Interview. Ich gehe duschen in einem Bad, das eigentlich nur ein Wasch­becken hat, doch wenn ich mich ganz klein mache, wird der Wasserhahn zur Dusche. Was ziehe ich an? Im ganzen Zimmer liegen meine Kleider verstreut. Noch nicht ganz angezogen werde ich von einem Inter­view­partner abgeholt, der mich fröhlich darauf hinweist, dass es ja nur Radio ist und somit egal, was ich trage.

Versehentlich

Auf einer Reise durch China überredest du mich, in einem Elektro­laden ein kleines teures Gerät in die Verpackung eines großen Billig­geräts zu stecken und mitzu­nehmen. Wenig später sind wir auf einer Party und werden von einer Polizistin verhört. Ich lüge für dich und mache dir Vorwürfe im Badezimmer. Du weißt selbst nicht, warum du das gemacht hast. Versehentlich lassen wir auch noch einen trans­parenten Bauhelm und einen Gesichts­schutz aus Plastik mitgehen. Sie werden uns kriegen, hier ist doch alles video­über­wacht.

Einkauf

Im Traum ein Einkauf in Fridingen, der Laden ist wie ein Markt aufgebaut. Am Gemüse­stand probiere ich mich durch die essbaren Blumen und nehme alle Gemüse­sorten mit, die ich noch nicht kenne. An der Kasse wird Antonija ein Straf­zettel ausge­stellt, weil sie keine Maske hat – das gibt einen Straf­punkt in Flensburg, wo sie nun nicht mehr nur für Autofahrer verantwortlich sind. Ich drehe noch eine Runde durch den Laden – Hefe gibt es immer noch nicht. Ich treffe Oma, die es nicht mehr aushält und endlich mal wieder selber einkaufen gehen will. Wir beobachten zwei, die sich an den Zwiebeln bedienen, direkt hinein­beißen und vom Laden­betreiber noch ein paar Reste zugesteckt bekommen. Ich habe einen Tretroller und rolle schon mal vor, um dann an der Ampel wieder auf Oma zu warten. Sie hat den Weg zu sich nach Hause vergessen, wir gehen durch den Flur ihres Nachbarn, der aus dem Keller guckt. Oma quatscht sich fest, ich rolle weiter und warte vor Ihrer Haustür.

Stammzelle

Im Traum finden wir ein Haus und ziehen testweise ein – mein Zimmer hat eine bogenförmige Fenster­öffnung ohne Scheibe, könnte kalt werden. Veronika erzählt aus ihrem Leben, in dem auch immer wieder mal Zeit für das Kloster war. Noch heute kehrt sie einmal jährlich zurück in ihre Stamm­zelle. Wir öffnen eine Truhe mit kleinen Kostbarkeiten wie historische Kronkorken und hübsch bedruckte Metall­döschen, die nach und nach fotografiert und projiziert werden. Als es mir zu langsam geht, versuche ich es mit mehreren Gegen­ständen pro Bild. Die Kompositionen und Arrangements werden ein Erfolg, bejubelt vom Publikum.

Schwäne

Im Traum ein schwimmendes Haus, darunter Schwäne, zwei davon sind tot oder aus Keramik. Zum Sterben kehren Schwäne an ihren Geburtsort zurück, lernen wir in einer Doku.

Traumbuffet

Im Traum ein Buffet mit Nüssen, geformt wie Tetraeder, und etwa fünf Zenti­meter groß, ganze Tabletts mit Feigen von frisch bis getrocknet, Himbeer­törtchen. Ich kann nicht aufhören alles zu probieren, während nebenan mein Chor probt. Ich habe meine Noten verlegt.

Atmen

Im Traum Tipps zur Geburts­vor­bereitung: Atemübungen mit Zeichnungen, die auf der Rückseite des Papiers weiter­atmen. Oder atmend aus Ton Figuren modellieren, möglichst organisch.

Parade

Im Traum nehmen zwei Jungs hinter meinem Rücken mein Gepäck ausein­ander und machen sich darüber lustig. Als ich es bemerke, mache ich ihnen eine Szene, kleinlaut packen sie alles wieder ein. In der Zwischenzeit bereitet sich alles vor auf einen großen chinesischen Tanz. Raumteiler werden zur Seite geschoben und die Treppe, auf der ich stehe, wird elegant im Boden versenkt. Ich erklimme die Stufen und bin auf Höhe des Bodens, kurz bevor der Deckel sich schließt. Die Parade ist beein­druckend und wir Zuschauer werden durch den Saal geschoben. Ich tanze mit einem Mädchen, das seine Schuhe verloren hat. Alle Schuhe, die hier rumliegen, sind ihr zu klein. Im Nebenraum gibt es ein Buffet, an dem wir ewig anstehen. Als ich dran bin, gibt es keine Teller mehr, doch Naomi hat sich so viel aufgetan, dass ich bei ihr mitessen darf. Nun brauche ich mein Gepäck, das überall verstreut ist. Zwei Koffer, Rucksack, Schlafsack, Isomatte, große Mappe, Tasche mit Proviant. Ich überrede den Busfahrer dort anzuhalten, wo die beiden Jungs von vorhin auf mich warten – pflicht­schuldig helfen Sie mir beim Tragen. Die neue Halte­stelle finden auch die anderen Passagiere praktisch, sie wird in den Fahrplan aufge­nommen.

Igelwand

Im Traum suchen sich Naomi und Matthias das schönste Zimmer aus, Sie haben das kleinste Gepäck, doch hunderte Nägel dabei, mit denen sie eine Wand zum Igel machen. Das sieht spannend aus. Nur dass das Zimmer kein richtiges Bett hat, merken sie erst nachts.

Innerster Kreis

Mich zu berühren ist für dich in etwa wie Fußball zu kommentieren – völlig außerhalb deiner Vorstellung davon, wer du bist und was du kannst und willst. Wie das Telefonieren. Ich habe mich in deinen innersten Kreis einge­schlichen. In den Favoriten deines Telefons stehen deine Omas, deine Mama und vielleicht noch dein Bruder, dann ich. Wie habe ich das geschafft? Indem ich dir das Gefühl gab, es ginge nur um dich. Der Narziss in dir fühlte sich geschmeichelt, zwang sich anfangs noch und seit es Routine ist, fehlt etwas, wenn mein abendlicher Anruf ausbleibt. Unsere Telefonate sind anders, Corona kommt kaum vor, wir bewegen uns in einer anderen Zeit. Vier Tage noch. Mir fallen keine Fragen mehr ein. Drehen wir es doch heute mal um: Was willst du wissen?

Im Traum liegen wir gemeinsam unter einer Decke, beide nackt, beide im Halbschlaf, beide im Wissen, dass nein. Und doch finden sich unsere Körper auch ohne uns, deine Hände auf meiner Haut, im Schlaf, forschend, ohne Ziel. Du findest es spannend, wie sich ein weiblicher Körper anfühlt und ich bin überrascht über deinen. Ums Handgelenk trägst du einen blauen Skarabäus mit roter Schnur.

Großbaustelle

Im Traum eine Zugfahrt durch China, vor dem Fenster die Großbau­stelle einer werdenden Stadt mit bunten Rohren und abstrakte Formen, die ich unbedingt fotografieren will. Auch Bäume mit rosa Blüten, halb vom Nebel verschluckt. Doch mein Handy streikt, kein Bild wird abgespeichert. Im Hotel angekommen suchen wir die Rezeption und finden sie im Keller, der Eingang ist so niedrig, dass wir gebeugt hinunter­steigen. Hinter dem Tresen keine Chinesen, auch nicht in der Armee – alles Amerikaner, die hier die Stellung halten. Später sitzen wir in einem überschmückten Raum mit Glitzer­elementen, die ich auf eine Schnur auffädle, um hier wenigstens ein bisschen aufzu­räumen. Wir decken die Tische in mehreren Räumen für ein großes Fest, zu dem niemand kommt. Wir verteilen die Kuchen unter den Helfern und ich juble jedem ein paar Dinge unter, die ich nicht mehr haben will.

Erdbeerbrett

Erbeer­brett

Ohrwurm

Seit zwei Wochen habe ich einen Ohrwurm. Der geht erst weg, wenn wir das Original gefunden haben. Ich kann die feine Melodie summen, dazu haucht eine Frauen­stimme vorsichtig »and I sleep … sleep …sleep«. Doch wie das Lied, zu dem wir in unserer ersten Nacht in Berlin getanzt haben, werden wir es nicht mehr finden in deinem Meer aus Musik.

Umgeplant

Im Traum ein Telefonat mit Jana, ihre Stimme kommt aus dem Handlauf eines Treppen­geländers, das sich plötzlich bewegt. Ich gehe hinterher, um den Gesprächs­faden nicht abreißen zu lassen, nur rollt es in die falsche Richtung. Dann steht Jana neben mir und fragt, ob wir zur Skihütte spazieren, um heiße Schokolade zu trinken. Als wir ankommen, schließen sie gerade – geänderte Öffnungs­zeiten aufgrund der Pandemie. Jana spricht von ihren Zweifeln zur Nachbarschaft, der Tratsch, ein Leben lang – hält sie das aus? Doch mag sie das Haus, das von ihrer Schwester umgeplant wird statt von dir, was du noch nicht weißt. Wir brechen auf, sie bleibt ratlos zurück, kurzärmelig im kalten Abendwind.

Proviant

Im Traum drehe ich eine Runde mit dem Fahrrad, um allen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, zumindest mal von weitem zuzuwinken. Oma steht vor dem Haus und wird von der Tante abgeholt, die sich jetzt auch mal kümmern möchte. Oma weiß nicht, was sie davon halten soll. An einem Bootssteg treffe ich Christian, dem ich Proviant für seine Reise mitbringe. Und zwei alte Kameras, die ich versehentlich einge­packt hatte vor zehn Jahren, sie gehören ihm.

Besuch

Im Traum haben wir Besuch in unserer winzigen Wohnung, in der du die letzte Woche allein gelebt hast. In der Küche klebt die Arbeits­fläche, aus den Schränken quillt Brokkoli. Ich suche Tassen für Tee, sie sind verschwunden. Die Gäste sitzen um den Tisch und kratzen die festge­trockneten Kräuter ab. Im Wohnzimmer liegt der Boden voller Dinge, er ist nicht mehr zu betreten. Das ist doch peinlich vor unserem Besuch, der den Tee nun aus Suppen­tellern trinkt.

Verschlafen

Im Traum sind wir bereit für unsere Hochzeit, unsere Familien holen uns ab und parken vor einer Festhalle, alles ist dunkel. Als wir den Saal betreten, geht das Licht an und unser Chor und Orchester singen und spielen nur für uns. Wir sollen auf die Bühne und etwas sagen, wir sind noch so verschlafen, dass wir kein Wort rausbe­kommen. Ich wünschte, ich hätte doch ein weißes Kleid, so nimmt man mir die Braut doch gar nicht ab.

Traumfabrik

Dein Schreiben schreibt dem Einen ein Heft unter die Knie. Du weinst dich bei mir aus, wimmerst in Rätseln von deinem Gehen, der Unmöglichkeit des Verlassens deiner Freundin, die doch bei deiner Tour dabei sein wird, als liebevoll illustriertes Schwein auf dem Plakat. Wir sitzen am matsch­braunen Fluss, du platzt fast vor Gefühl, sagst aber nichts. In deinem Kopf ist noch alles offen, du willst meinen Rat, der nur von Tages­struktur spricht. Ein kleiner Junge mit langen Haaren fragt dich vorsichtig, wo das Programm weitergeht. Gleich ist eure Lesung. Wir sitzen auf Kissen im Eingang eines Kinos, ihr unter­brecht euch gegen­seitig in eurem Lesen zwischen den Plakaten der Traum­fabrik.

Im Wohnzimmer meiner Eltern eine Ansammlung an Sofas für die Quaratäne, Beratung auf Abstand. Oma sitzt mit ihrem Teller am Klavier, da ist Abend­sonne. Julia jammert über das zu weiche Bett, während ich am Telefon hänge. Ständig ruft einer an, der behauptet, wir hätten uns mal gekannt. Ich kann mich nicht erinnern und sage nichts, das zieht sich. Derweil fährst du mit Getöse und Anhänger davon.

Namen

Schlaflos vor lauter Namen im Kopf.

Tiefgekühlt

Im Traum eine Bergschlucht mit reißendem Fluss. Es wird schon dunkel, als wir unsere düstere Ferien­wohnung betreten, kaum ein Licht­schalter tut. Die Küche liegt voller Backwaren und im Gefrierfach finde ich eine zerbeulte Cola-Dose, in der ein altes Handy steckt, tiefge­kühlt. Das wurde hier versteckt und dann vergessen.

Bei einem Festival mit schlechter Musik Familien­knatsch über die Zeltver­teilung und Dinge, die auf dem ganzen Gelände verteilt liegen­geblieben sind. Nachts drehe ich eine Runde mit Rucksack, um alles einzu­sammeln, da sehe ich auf der Bühne eine seltsame Performance mit Wurst­auf­schnitt. In einem weißen Zelt tanzen deine zwei Cousins, um die Tiere zu vertreiben, ich mache mit.

Früher oder später fällt mir ein, dass ich mein Fahrrad nicht angeschlossen haben könnte. Ich suche es überall und finde es unter der Treppe – zu gut versteckt, das war ich selbst. Kurz darauf fehlt es schon wieder. Zwei Jungs machen grinsend eine Testfahrt in immer noch größeren Bögen um mich herum.

Umzug

Traum von eurem Büro-Umzug in ein schickes Haus mit Aussicht. Überall stehen ausrangierte Möbel der Vorgängerinnen, massenweise CD-Ständer, die ja wirklich niemand mehr braucht. Über einen liegen­gebliebenen Flyer versuche ich deren Bürostruktur nachzu­voll­ziehen. Im Nebenraum üben die Damen noch schnell für eine Präsentation, alles etwas steif und gekünstelt. Dein Chef testet den neuen Drucker und wartet ewig auf den Ausdruck. Du holst ein paar Sachen aus dem Auto und verläufst dich im Garten. Könnte eine Weile dauern, bis hier alles rund läuft.

Klappkonstruktion

Im Traum ein Künstler­aus­tausch, dann überstürzter Aufbruch, der Bus steht schon bereit, doch alles liegt noch voller Kunst und Taschen, die sich nicht so schnell zuordnen lassen. In der Tür steckt der Schlüssel, für den sich niemand verantwortlich fühlt. In der Ecke steht ein bekanntes Kunstwerk aus Holz und Schnüren, eine Klapp­kon­struktion, die mich schon lange fasziniert. Als ich den Künstler dazu kennen­lerne, bin ich verliebt und wir turnen gemeinsam durch sein Werk. Mit großer Verspätung ist alles zusammen­gepackt und der Bus fährt los. Es ist so voll, dass manche in der Gepäck­ablage sitzen, direkt über mir die schöne Frau, die ich unauf­hörlich anschauen muss, sie streichelt mich unauf­fällig. Die Reise wird zur Klassen­fahrt, auf der Sabine von ihrem Sabbatical im Camper berichtet. Danach muss sie sich entscheiden, wie es weitergeht, Erwachsen­werden lässt sich ja nicht ewig verschieben.

Prinzenbrüder

Im Traum schieben wir ein Klavier durch die Straßen von Amsterdam. Es regnet, begleitet von Windböen, die das überhohe Klavier zum Schwanken bringen. Zuvor eine Entwurfs­runde mit Clara und dem Pianisten, der auch stadt­bekannter Grafiker ist. Die beiden diskutieren – was ist mein Part in diesem Projekt? Auf einer Brücke fängt mich einer meiner Brüder ab, wir müssen aufs Schiff zu den anderen Prinzen. In meiner Kabine verkündet eine Durchsage, dass das königliche Abend­essen statt­findet, trotz Trauerfall. Doch erst mal muss ich raus aus den regen­nassen Kleidern. Es dauert, bis ich ausge­zogen bin und als ich es endlich geschafft habe, bin ich wieder angezogen, also nochmal von vorn. Im Duschraum dampft es aus allen Ecken, bei mir kommen nur ein paar kalte Tropfen raus. Ich wechsle den Raum, doch dort sind nur Klos und die Tür geht nicht mehr auf. So stehe ich da mit meinem Handtuch. Eine Frau öffnet die Tür mit ihrem Schuh, ich schlüpfe hinterher, vorbei an meinen Prinzen­brüdern, die mir vielsagende Blicke zuwerfen. Ich weiß: Bei dem Trauerfall geht es um den Pianisten, um den sie sich gekümmert haben. Ich mochte ihn gern. Beim Blick aus dem Fenster meiner Kabine sehe ich, wie unser Schiff langsam in den Hafen einläuft. Das Anziehen ist noch mühsamer als das Entkleiden vorhin, dann bleibe ich eben hier. Doch wir Prinzen werden erwartet.

Garten

Felix und Sven aus dem Nachbarhaus fällt die Decke auf den Kopf. Sie fragen bei der Hausver­waltung, ob sie den Garten im Hinterhof bepflanzen dürfen. Mit handge­schriebenen Briefen an den Keller­türen laden sie zum Mitmachen ein. Nach einer Woche Umgraben und Kampf mit Girsch werden zu Ostern die Primeln und Kräuter einge­pflanzt, sogar einen Sandkasten haben sie unter dem Efeu freigelegt. Nach und nach schauen die Nachbarn bei ihnen vorbei, die mit den Kindern zuerst. Sie bringen Setzlinge, Garten­möbel, Ostereier oder Wein. Wir finden im Schrank noch Samen für Schnitt­lauch, Rucola, Sonnen­blumen und eine Schwarz­äugige Susanne, »klettert« hat Mama vor Jahren in ihrer gut gelaunten Schrift darauf geschrieben, als sie noch Hoffnung hatte in unsere grünen Daumen. Beim Wasser­anschluss im Keller finden wir einen Schlauch, das geht schneller als mit den Gießkannen zum Wasser­holen in den dritten oder fünften Stock. So gießen wir das Werk der Nachbarn und sind gespannt, was hier wohl wächst und was nicht. Und ob sich nach Corona noch jemand um den Garten kümmert. Ein Gartenfest wäre nett.

Ostergrün

Ostergrün

Probenpause

Im Traum wird Kathi aufge­fordert in der Proben­pause zu berichten, wie sie Menschen unter­stützt in diesen besonderen Zeiten. Statt­dessen trägt sie Gründe vor, warum sie es nicht tut und sich jetzt nur noch um sich kümmert. Sie findet kein Ende und das Orchester rutscht unruhig auf den Stühlen herum. Später beobachte ich, wie Kinder dem U-⁠Bahnfahrer zum Dienst­schluss ein Eis bringen. Das machen sie jeden Tag, seit fast niemand mehr mitfährt.

Strenggenommen

Im Vorbei­gehen höre ich sein »Streng­genommen« und mein Puls beschleunigt sich, als wäre er noch immer mein Vermieter.

Raufaser

Während wir telefonieren, fläze ich auf dem Bett oder Sofa herum, schaue den Schall­wellen zu, knibble an meinem Zehnagel, schaue mir die Tapete schön. Seit wann ertrage ich sie?

Tischrunde

Im Traum frage ich in die Tisch­runde, warum wir ausge­rechnet die Dächer der Häuser in Frankfurt so gelungen finden. Einer kennt sich aus mit Stadt­planungs­geschichte, er erzählt von einem Katalog mit Dachformen und Ziegeln. Dies sei einem Stadt­ober­haupt zu verdanken, das auch die Straßen pflastern und den Park anpflanzen ließ, darum die alten Bäume unter denen wir nun sitzen. Die hohen Hocker sind fest im Boden verankert und stehen zu weit weg vom runden Tisch. Ich klettere runter und suche einen, der mir vorhin so gut gefallen hat. Du schaust mir hinterher, lachend und wohlwollend, denn du weißt, ich komme wieder.