Auf den Spuren des Individualkonsums, dem Amerikanischen Traum schlechthin. Wir besichtigen seine Relikte vom Auto aus, danach frönen wir der Nostalgie auf der Route 66. Destruktive Fragezeichen vom Rücksitz des überdimensionierten Mietwagens.
»Irgendwas müssen wir machen!«
Wenn einem schon beim Aufwachen der Tod einfällt. Man denkt an das weiße Licht, an das Nichts und an die Leere. Das wars dann. Einfach so. Ohne dass noch jemand weiß, was war. Religion fällt einem ein, später vielleicht, der Angst wegen. Statt mit angemessen ängstlicher Miene die eigene Endlichkeit zu thematisieren, verfällt man in flapsige Ironie und vergisst es schnell wieder. Dann steht man auf und macht weiter und lebt.
Am Abend sagt einer, dass das Bewusstsein aus Energie besteht und dass Energie sich nicht einfach auflöst. Das hilft.
»Man kann einfach weggehen, dachte ich. Entweder man geht ein bisschen weg, oder man geht richtig weg, oder man bleibt.
Erst bin ich ein Stückchen weggegangen und habe gemerkt, ein Stückchen ist schon zuviel, aber noch nicht genug. Ein Stückchen ist zuviel zum Umkehren und Zurückgehen, aber man ist noch nicht richtig weggegangen.«
Birgit Vanderbeke: Ich sehe was, was Du nicht siehst
Ich habe die Ruhe wach zu sein.
Die wachen Gedanken machen mich müde.
How to survive as a painting
»Aber es herrscht eine giftige Statusangst, ein gewaltiges Sinnvakuum, ein wahnsinniges selbstreferenzielles Klima.«
Katja Kullmann, Rasende Ruinen
»Ich bin überzeugt, wenn Sie bei Ihrer Schriftstellerei Erfolg haben, werden Sie die auch aufgeben, um sich zu bestrafen.«
»Nie trifft man den anderen im gleichen Gemütszustand, der gleichen Phase, der gleichen Stimmung – niemals. Wir sitzen alle auf einer Wippe.«
»Im Zug begann ich zu schreiben, um die Siebenmeilenstiefelsprünge meines Lebens durch die Ameisenaktivität meiner Feder auszugleichen.«
Über eine solche Fülle von bezeugtem Leben müsste sich ein Biograph eigentlich freuen … sie hat alles sagen wollen, was sich irgend sagen lässt … die Fülle des Formulierten und Notierten führt in ein Dickicht in welchem sich Anaïs Nin auch verliert und versteckt.
Es gibt Situationen, da macht man viele Worte um das eine Wort nicht sagen zu müssen, das einen so zeigen könnte, wie man sich selbst nicht sehen möchte und wie man nicht gesehen werden will … Zudecken mit Material haben Analytiker das genannt.
Gegen was schreibt sie an? Welchen Schmerz sollen die vielen Worte lindern, und wovon lenken sie ab?
Linde Salber
Der Engel hat gelogen.
Zwei Jahre nachgedacht, um nun gar nichts mehr zu wissen.
180 Motivations Aufkleber, 10 Motive.
Motivation, Position, Haltung, Meinung, Vision!
»Der halb bewusste Dämmer zwischen Selbsttäuschung und Betrogen werden.«
Hartmut Böhme
Dein gleichmäßiger Atem zerteilt die Zeit in Einatmen, Ausatmen, Stille. Einatmen, Ausatmen, Stille. Ich liege wach und mag mich nicht. In der Ecke wacht ein Schatten über uns. Das Halbschlaf-Kino lüftet seinen Vorhang, der Opernsaal wird zur Requisite, die Dimensionen heben sich auf. Der Schatten wird zum Riesen und steigt mit einem Schritt auf einen Logenplatz, sein Schuh passt gerade so hinein.
Vielleicht lese ich auch einfach gerne
Und schaue mir gerne Bilder an
Und träume vor mich hin
Den lieben langen Tag
Bücher lesen ist kein Beruf
Bilder anschauen auch nicht
Aber die Öffentlichkeitsarbeit für –
Ich werde protestieren
Werde mich fluchend daran erinnern
Dass ich Kunst studieren wollte
»Es ist leichter ein Zeichen zu werden, als zu versuchen, etwas zu bezeichnen.«
Laurie Penny
»Leben kann man sein Leben nur vorwärts, verstehen nur rückwärts.«
Oma Heidi, frei nach Sören Aabye Kierkegaard
Gekocht haben wir diesmal Kartoffelsuppe und zum Nachtisch Ofenschlupfer, der im Bayrischen Wald »Scheiterhaufen« heißt. Dazu gab es echte Vanillesoße und Geschichten von der Rückkehr ihres Vaters aus der russischen Kriegsgefangenschaft und einem jahrelang unentdeckten Zimmer ohne Tür im Haus ihrer Schwester.
Ich zieh dir die Ohren über den Kopf.
Da legt sich die Katze schlafen.
Ich hab Angst, dass mir der Faden platzt.
Das ist das Wahre vom Ei.
Wir ziehn doch alle am selben Boot.
Du willst mich wohl hinters Glatteis führen.
Kanonen vor die Säue schießen.
Oder Kanonen vor die Perlen werfen.
Und den Knüppel ins Getriebe.
Noch grün hinter den Fittichen.
Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Elefanten werfen.
Morgenstund fängt den frühen Vogel.
Morgenstund ist aller Laster Anfang.
Morgenstund ist echt zu früh.
Das Nützliche mit dem Praktischen verbinden. Oder doch lieber das Angenehme mit dem Schönen.
Frühling. Ich traue mich aus dem Haus. Nur wenige Schritte weiter begegne ich anderen Frühlingsflaneuren. Ihr Schwatzen verschreckt mich, ich beschleunige meinen Schritt und senke den Blick zum Asphalt. Die Sonne im Rücken kriechen die Zweifel von den ausgetretenen Sommerschuhen bis in das verwaschene Grün meiner Strickjacke. Die erste Begegnung mit bekannten Gesichtern überstehe ich mit leichtem Bauchweh. Ich nehme den schmalen Weg hinter den Häuserreihen und beruhige mich. Da ist es, da sitzt sie, freut sich über das Gänseblümchen und meinen Kuchen. Was sie alles kann! Und macht! Ich schrumpfe und verstecke in Gedanken alles, was ich noch gestern an die große Glocke meines Schneckenhauses gehängt habe. Ich gehe weiter, verworrene Wege, vor und zurück, über alle drei Ampeln der Kreuzung. Fühle mich beobachtet und fast wie nackt ohne den grauen Wintermantel. Drei Bauarbeiter machen Pause und sehen mir dabei zu, wie ich die Treppe hinunter tripple und kurze Zeit später wieder hoch. Die Schuhsohlen sind nach innen abgelaufen, sicher habe ich X-Beine, und dann noch dieser Hintern – er fängt die Blicke auf und wackelt weiter, weiter in ruhige Gassen, vorbei an verschlafenen Schrebergärten, einem einsamen Kindergarten, Fußballfeld, Tennisplatz, Vereinsheim, einer braungrünen Wiese, einer lauten Hauptstraße – ich hasse Autos. Sportlich verkleidete Kinder rasen an mir vorbei. Ich hasse sportliche Kinder. Sie sind laut und grell und müssen immer zeigen, wie gut und wie viel besser als andere sie dies und jenes können. Ich will zurück in mein Schneckenhaus.
Sonntagskloß im Hals. Vergessen ist die zuckersüße watteweiche Glückseligkeit der verschlafenen Morgenstunden in deiner warmen Nähe. Im gleißenden Tageslicht verengt sie meinen Blick. Ich werde blöde, anhänglich und einfach.
Vergesse mich und merke, wenn ich jetzt nicht rausgehe platze ich. Und ich bleibe und platze. Gehe dann raus, ohne dich. Da fällt mir wieder ein: Vergiss dich nicht. Vergiss mich nicht. Vergiss nicht.
Vergiss es.
Ich habe Angst.
Angst davor dass alles zusammenbricht.
Mein System.
Eure Hoffnungen.
Online.
Bei mir tut’s.
Aber bei dir?
Und bei denen?
In der Woche vor Weihnachten verbrachte ich zwei wunderbare Tage mit meiner Oma Heidi. Vom Frühstück bis zum Abendessen erzählte sie mir Geschichten von früher, mein Aufnahmegerät hörte aufmerksam mit. Zwischendurch haben wir gemeinsam gekocht: Es gab Lammbraten, Kartoffelgratin und Rosenkohl und am nächsten Tag Grünkernsuppe, Gemüsepfanne und Apfel-Orangensaft-Kompott mit karamellisierten Mandeln und Vanillesahne.
Oma Heidi und ich kochen und reden weiter. Daraus wird ein biografisches Kochbuch, mit Rezepten und Geschichte aus einer Bayrischen Kindheit und einem Leben in Schwaben, mit Ausflügen in die ayurvedische Küche und praktischen Tipps für die moderne, gesunde Single-Küche.
Für euch gibt es heute weihnachtliche Schlachtplatte aus dem Bayrischen Wald zu lesen hinter dem 24. Türchen meines Adventskalenders.
… zusammen bleiben … aber … meine Liebe … war ich früher zärtlicher? Soll ich wieder liebevoller sein? … Aber … wie war ich denn am Anfang, als wir uns kennengelernt haben? … Aber ich liebe dich … bin ich dir zu … ich raste halt manchmal aus … aber Mona … ich kann mich ändern … sag mir, wie willst du’s? Wie war es mit den Anderen? Wie war es am Anfang? Wie willst du’s? Ich kann mich ändern, wirklich ich …
ealistisch nett