Zwei Dus: Mein Mann und meine Muse.
Im Traum entdecke ich eine leerstehende Villa in rosa, die ringsum mit Bäumen verwachsen ist. Im ersten Stock kommen dicke Wurzeln aus der Fassade, die noch kahlen Äste reichen bis übers Dach. Bald, wenn die Blätter wieder sprießen, wird das Haus komplett eingewachsen sein und im Grün verschwinden, ein riesiges Gebüsch. Ziehen wir hier ein? Nur widerwillig gehe ich zurück zur Brache, zur Besprechung mit dem Lenkungskreis. Eine fragt mich, wo ich gewesen bin und ich erzähle ihr alles: Warum es mir ums Jetzt geht und nicht mehr ums Morgen und dass ich da so ein Thema habe, das zuerst dran ist oder auch nicht. Sie nickt verständnisvoll und hört dann wieder zu im Kreis der Engagierten.
Zu zweit im Homeoffice, eigentlich ganz nett. »Deinen Geschmack möchte ich mal haben«, knurrt Matthias am Telefon. Er schreibt an einer Theaterkritik über das, was uns hier gespielt wird.
Im Traum gehe ich mit Marina ins Schwimmbad. Wir sind erstaunt, dass es noch offen ist. Sie mag im warmen Becken bleiben, ich würde gerne schwimmen, vielleicht zum letzten Mal. Später eine Wanderung mit Raubzug, erst sind wir ein Team, dann beklauen wir uns gegenseitig bis auf die Kleider, uns bleibt nur die eigene Haut. Einer macht ein Ballett zu den wenigen Schritten, die noch außer Haus gegangen werden. Choreografie der Langsamkeit.
Wiederkehrendes Traummotiv: Zu viel Zeugs im Zug ausgebreitet, zu spät das Gepäck zusammengesucht, fast zu spät ausgestiegen. Wieder mit dem Chor unterwegs, Probenwochenende, ich bekomme das allerletzte Zimmer ganz oben, das nur durch eine Luke in der Decke erreichbar ist. Und wieder denke ich: Das kenne ich doch schon aus meinen Träumen, aber diesmal ist es echt. Das Stück haben wir noch nie geprobt, morgen ist Auftritt. Und das Abendprogramm verpasse ich, weil mir niemand Bescheid sagt. Eine meint, dass ich beim Konzert besser nicht mitsingen oder nur den Mund bewegen soll.
»Ich muss zugeben, ich bin ein großer Nebelmaschinen-Fan.«
Ab morgen dann zu zweit im Homeoffice. Nach Corona sind wir statt Architekt und Grafikerin womöglich E-Komponist und Bloggerin bzw. lebenslange Tagträumerin mit Schreibzwang.
Traum von einem Theaterstück in einer riesigen Badewanne. Für das Publikum gibt es keine richtigen Plätze, also setzen wir uns auf den Rand. Wir werden gefragt, ob wir mit normalen Cerealien einverstanden sind oder ob wir Sonderwünsche zum Frühstück haben. Einer beobachtet, dass ich nichts dazu sage und weist mich zurecht. Ich will gerade nicht über Frühstück nachdenken. Dann geht es los: Eine Frau im Hautanzug schleppt eimerweise Pfannkuchenteig zur Wanne, deren Ränder ganz niedrig geworden sind. Zuerst verteilt sie die Masse in einem feinen Muster aus Linien, dann kippt sie alles hinein. Gerade noch rechtzeitig rettet Justyna ihren Gitarrenkoffer vor dem Ertrinken im Teig. Wir bekommen unser Müsli serviert, dann wird die Kulisse umgebaut. Eine Dusche neben einem Herd, alles zu groß, jeder Zuschauer sieht einen anderen Ausschnitt.
Gegenwind beim Sonntagsspaziergang auf Abstand. Sie fragt, warum ich mich nackt ausziehe in aller Öffentlichkeit. Ja, was ist das nur mit dem Veröffentlichen, warum mache ich das? Mutig, meinen so manche, sie könnten das nicht. Ich kann nicht ohne. Ungefiltert und nah mag ich es. Noch suche ich mein Schreiben, mache Fingerübungen, vielleicht bleibt es dabei. Teil der Suche ist der Wunsch nach Resonanz, darum setze ich die Pflänzchen aus im kühlen Frühlingswind. Ganz warm wird es, wenn das Literaturhaus schreibt: Welch schöne Texte, der Ton ist so kurz und einfach und doch so fein.
Im Traum spiele ich in einer Szene mit, von der ich erst danach weiß, dass sie gespielt ist und kein echter Streit zwischen zwei Freundinnen an der Haltestelle vor der Schule, an der kein Bus mehr hält. Meine blonde Gegenspielerin lacht, als die Szene im Kasten ist und spaziert erhobenen Hauptes davon. Kurze Lagebesprechung, dann schiebe ich ein Tablett auf Rädern voller weißer Miniaturen und Architekturmodelle vor mir her zum Bahnhof. Da fällt mir ein, dass mein Rucksack noch vor der Schule steht. Diesmal weiß ich, dass ich träume und mache einen riesigen Schritt über fünf Straßen hinweg, hebe ihn auf und bin wieder da – den Zug verpasse ich trotzdem. Empört schreit mich die Schaffnerin von der Tür aus an. Ich nehme den nächsten Zug, dessen Fenster so klein sind, dass ich nichts sehe und fast meinen Ausstieg verpasse. Statt die Haltestellen anzusagen, plaudert der Lautsprecher munter über die vorbeiziehende Landschaft und unsichtbare Dörfer, die dort mal existiert haben könnten, zu Urzeiten.
Im Traum geben wir ein Konzert, möglichst locker, doch wie? Die Lieder kenne ich nicht. Ich teile das Mikrofon mit Andrea, bewege nur die Lippen, kopiere ihre Gesten. Als sie bemerkt, dass ich sie spiegle, macht sie absichtlich komische Verrenkungen. So schüttelt sie mich ab und ich stehe stumm und mit hängenden Schultern allein im Rampenlicht, bis die Frauen aus dem Publikum die Bühne erklimmen, das Mikrofon ergreifen und schnipsend die Aufführung retten. Ich verziehe mich ins hintere Dunkel der Bühne und gehe. Draußen ist Nacht, die Straße glänzt vom Regen. Ein langhaariger Asiate in schwarzer Lederjacke richtet einen übergroßen mattschwarzen Porsche als Wohnmobil ein. Zwei düstere Typen pöbeln ihn an, ich gehe schnell weiter. Auf der Rolltreppe abwärts stehen die beiden hinter mir und kichern.
Im Traum sind wir mit Opa unterwegs. Du bringst ihn ins Hotelzimmer, wo er sofort einschläft. Später ist er so kalt, dass du ihn ins Auto trägst und den ganzen Tag in der Schweiz herumfährst. Irgendwann fährst du zur Grenze und fragst, was es kostet, einen Geburtstag über die Grenze zu transportieren. Der Zöllner stellt dir eine Rechnung aus. Ich sitze auf der Rückbank, die entgegen der Fahrtrichtung ausgerichtet ist und heule vor mich hin. Plötzlich sitzt Oma neben Opa und merkt erschreckt, wie kalt er ist. Sie wärmt seine Hände und er wacht auf. Ich nehme ihn in den Arm und er fragt, wie alt soll ich denn werden?
Im Traum telefoniere ich laut mit Bene in einem Reisebus, mir egal, dass mich alle hören. Als ich raus muss, habe ich zu wenige Hände, um alles einzusammeln: Rucksack, Schuhe, Schirm, Telefon. Die Bustür schließt sich schon, genervt macht der Fahrer sie nochmal auf für mich. Draußen erzählt Sabine von Schuhen, die Sie unbedingt haben muss: Regenfest.
Besuch in diesen eigentlich einsamen Tagen. Leichtsinnig? Vielleicht. Wir spazieren zu weit hinauf und zu steil hinab für deine feinen Schuhe, doch Auslauf tut gut und ist noch erlaubt, auch für Laborhamster und Computermaus. Zum Essen gibt es bunte Bete und süßen Fenchel, den halben Tag habe ich singend in der Küche verbracht. Nun bin ich müde vor lauter Pollen und überfordert damit, nicht mehr nur ich zu sein, wie ich mich dir schreibe, sondern auch alles, was ich hier in den letzten Jahren aufgetürmt habe und was nicht. Mein Mann kommt heim und ihr testet sein neues Miniklavier, bis ich frage, ob ich dich noch kurz für mich haben darf. Etwas trampelig, auch das bin ich. Könntest du dich klonen, dann würde Andrej mit ihm gehen und Andreas und Andruschka mit mir. Wir sitzen am Boden vor dem Bücherregal und schauen, was für dich passt, eher Seethaler als Kästner, die Frauen lässt du bei mir, bis auf meine Träume, die ich dir gestern gebunden habe. Kurz sprechen wir noch über unsere WG, du fragst, ob ich eigentlich schon dort war. Ich war nur in deiner und die ist zu klein für uns vier. Also sind wir auf Wohnungssuche – und das in diesen Zeiten? Vielleicht diskutieren wir auch schon, ob der Flur nun blau oder glitzernd gestrichen werden soll. Andruschka sitzt mit Drink daneben und mag die Idee der Sonne in der Discokugel – also doch weiß.
Im Traum besichtige ich mit Papa ein Hotelzimmer für demnächst. Dann ziehen sich alle um für die Oper, ich bleibe wie ich bin und gehe schon mal vor zum Bahnsteig, der von Autos umtost ist – zwar alles hübsche Oldtimer in Bonbonfarben, doch unheimlich laut in diesem schwarzen Tunnel. Ein Paar mit Kind macht es sich auf einer Picknickdecke gemütlich. Das kleine Mädchen fragt mich, ob ich mich dazusetze und ihr erzähle, wer ich bin. Wir schauen auf den Verkehr wie auf ein Meer, bis meine Eltern und meine Schwester kommen – alle in rosa Ballkleidern, auch Papa.
Im Traum steht ein Mann im hautengen lila Sportoutfit mit pinkem Stirnband und Tennisschläger auf einem Surfbrett im Wasser und liefert sich mit dem Publikum einen vierundzwanzigstündigen Schlagabtausch. Eine riesige halbtransparente Kugel wabert zwischen ihnen hin und her und gerät immer wieder in Wasserlöcher, aus denen sie nach einigen Minuten wieder rauskatapultiert wird. Ich beobachte das vom Fenster aus, bis sich die Landschaft draußen zu bewegen beginnt und ein riesiger Campingplatz mit bunten Wohnwägen am Fenster vorbeizieht. Vor einem blauen Wohnwagen steht ein Polizist, er hält uns an. Vom Fahrersitz aus erklärt ihm Papa, wie das funktioniert, dass unser Auto, scheinbar fahrerlos, hinter uns herfährt. Papa hat da so ein Gerät, das exakt die Bewegungen des Lenkrads nachvollzieht, die er im Wohnmobil macht. Sowas hat der Polizist noch nie gesehen, er steigt ein und fährt eine Runde mit.
Naomi macht bei einem Flohmarkt mit und ist etwas enttäuscht, wie wenig sie für den Schmuck bekommt, auf den sie mal monatelang gespart hat. Warum sie ihn jetzt verkauft, verrät sie uns nicht. Du und ich schauen uns das Gebäude an, eine Schule, die früher mal ein Bahnhof war. Aus den Bergen führen steile Schienen direkt auf die Mensa zu. Ein ehemaliger Schüler erzählt uns von seiner Befürchtung, die Schule könnte irgendwann einfach losrollen. Er führt uns herum und unterhält sich vor allem mit dir. Er nähert sich dir langsam und küsst dich. Ich halte deine Hand, du bist nervös, dann küsse ich mit. Jetzt ist auch der andere nervös, aber auch freudig überrascht. Geht doch.
Im Traum bin ich zu Besuch in deinem Hamsterrad. Du hast zu tun, aber das macht nichts, ich bin eh gleich eingeladen zu einer Geburtstagsfeier in einem Club. Du bist gerade am Duschen, als ich los muss. Auf dem Herd habe ich noch zwei pochierte Eier stehen, was mir erst einfällt, als die Wohnungstür ins Schloss fällt. Ich klingle dich aus dem Bad, du öffnest mir, ein Handtuch um die Hüfte. Plötzlich haben wir doch Zeit füreinander und essen die Eier, die sich zu Würfeln geformt haben, sie schmecken gut. Deine Mitbewohnerin leistet uns Gesellschaft, ihr beide habt auch Lust auf den Club. Auf dem Weg dorthin verliere ich euch und finde mich in einem Keller wieder. Ich entdecke noch ein zweites Kellergeschoss und frage, ob dort mein Verlag einziehen darf. Der grummelige Besitzer gibt zu bedenken, dass es im Sommer recht dampfig werden kann hier am See. Endlich bin ich im Club, alle sind verkleidet und tanzen, immer wieder werden mir bunte Pillen angeboten, aber die brauche ich nicht. Als ich euch wiederfinde, seid auch ihr verkleidet und im Gesicht voller Glitzer. Du bist schöner denn je.
Der Traum diktiert mir den genauen Wortlaut der Sätze. Die Müdigkeit in mir sträubt sich, doch die Worte wiederholen sich so eindringlich, dass ich zu Stift und Notizbuch greife und mitschreibe:
Wie wunderbar ist das Leben, wenn die Ränder der Tage sich zur Zeit hin öffnen. Man sagt sich, ich sei einer, der den Ball halten solle, statt ihm auszuweichen. Eine Sinfonie klingt durch den Nebel des Waldes, in dessen Mitte unser Schloss steht. Dazu mischen sich die Klänge der Orgel aus den Katakomben. Ein Mann mit Schnauzbart packt seine Gitarre aus, sie ist ganz kompakt, ich darf sie für ihn stimmen. Im Saal finde ich eine Tür zu einem Nebenraum, dort sitzt eine Gruppe Asiaten und wartet. Sie sind aus Taiwan. Als ich gerade anfange sie zu verstehen, blinkt plötzlich ein Blaulicht auf dem Hof. Sie wissen, was das heißt: Das Virus ist da, vielleicht. Das soll jetzt untersucht werden, doch erst mal unsere Autos: Sie benötigen Fotos der Fahrzeuge, dazu Steckbriefe. Wir antworten mit der Nebelmusik, die im feuchten Morgenlicht über das Tal zum nächsten Hügel schwebt.
Schreib mit, jetzt passiert was, dafür hast du dich all die Jahre vorbereitet, das Einigeln geprobt. Die Welt ist krank und bleibt zu Hause. Noch genießen wir den Ausnahmezustand, die verordnete Verlängerung des Winters in den Frühling hinein. Hausarrest. Weil alle zu Hause sind, seien wir jetzt verbundener als zuvor, heißt es. Ich frage dich, ob wir uns dennoch sehen, du hast keine Angst und kommst gern. Verbunden in Zeiten des abnehmenden Programms. Berlin und Frankreich sind abgesagt und Griechenland ist verschoben. Meine Augen weinen, zu viel gelesen und geschrieben, kein Weitblick mehr.
Bald bin ich durch mit deinem Buch. Zwischen Seite 414 und 415 der Abdruck von Sandkörnern im Falz. Zwei Seiten später rieseln sie mir auf den Bauch.
Deine vierundneunzigjährige Oma lässt sich von Corona nicht aufhalten und sicher nicht das Einkaufen abnehmen, sie hat ja schon ganz andere Krankheiten überlebt. Ich überlege, ob ich meinen Nachbarn anbieten soll, für sie einkaufen zu gehen, aber ihr Sohn wohnt ja auch noch im Haus. Der für heute geplante Besuch meiner Omas wird erst mal auf unbestimmte Zeit verschoben. Also passt mein Lebensstil ganz gut zu den Empfehlungen: Ich bleibe im Bett mit deinem Buch ›Abbitte‹, das mich erst einlullt und dann schrecklich leiden lässt: An einem heißen Sommertag erfindet ein dreizehnjähriges Mädchen eine Geschichte, die zur Lüge wird und mindestens drei Leben zerstört. Jetzt Teil zwei, es ist Krieg. Vom Buch wandert mein Blick in die Nachrichten, die ich sonst so gut zu ignorieren weiß. Eine Deutschlandkarte mit steigenden Zahlen an Infizierten und eigentlich wie immer: Lob für Merkels Ruhe und Tadel für Trumps Ignoranz. Im Postfach regnet es Absagen: Keine Chorproben, kein Klassentreffen, kein Workshoptag zum Wohnprojekt. Irgendwie fühle ich mich erleichtert. Vielleicht doch ganz gut, Dinge noch nicht erledigt zu haben, Urlaubsplanung, Geldanlage, Kinderkriegen. Ob gut, ob schlecht, wer weiß das schon? Ansonsten: Wilde Knutscherei im Stehen (was sich überraschend jugendlich anfühlt) in der Küche, die nun nach fast einem Jahr so richtig eingeweiht ist.
»Das Stimmungsschicksal vernetzter Gesellschaften, die den dosierten Umgang mit ihren Affekten noch nicht beherrschen, ist die Verstörung, die sich bis zur Panik steigern kann.«
Bernhard Pörksen: Panik, live auf Sendung
Im Traum bin ich sauer auf dich. Du erzählst mir vom Küssen und lässt mich warten bei einem Wochenende in den Bergen. Dreimal wechsle ich das Zimmer und meine Kleider, trage sogar Ohrringe, irgendwie möchte ich doch besonders sein für dich. Mama macht Kuchen und Torten, die überall im Haus rumstehen. Ich bin versucht zu naschen, einmal angefangen stopfe ich drei Hände voll in mich rein und rede mir ein, das war ja nur ein Rest, so unförmig wie der ist. Am Ende erfahre ich, dass es noch eine zweite Unterkunft gibt und du dort übernachten willst. Na klar, ich bin dir zu viel und du übernimmst jetzt sogar mein Schreiben, das ich in einem Schrank verloren habe. Die Schränke sind geflochten aus Weidenzweigen und stehen zwischen den Tischen und Stühlen im Speisesaal. Alles ist gedeckt für das große Fest, nur du drückst dich.
Du fehlst mir, dabei kenne ich dich kaum. Du bist unerreichbar, habe ich dich darum ausgesucht? Ein weiterer Einsiedler in meiner Sammlung. Ist das jetzt Liebeskummer oder die Traurigkeit über das Vergangensein der zeitlosen Zeit, in der ich mich nur um mich selbst drehen durfte? Mein Mann hätte heute meine Hilfe gebraucht und ich war nicht da, als er ohne Schlüssel vor unserer Tür stand. Ich saß im Vortrag und wollte nicht erreichbar sein, wenigstens für eine Stunde abgetaucht. Er kam derweil bei Anja unter, machte Papierflieger und Maultaschen für Carla. Als ich ihn dort abhole, ist er noch sauer, will eine Entschuldigung von mir. Ich war nicht da. War ich jemals da? Bin ich sonst nicht immer da? Will ich immer da sein? Stell dir drei Tage vor, an denen das Telefon nicht mehr aufhört zu klingeln. Ich werde für meine Geduld bezahlt, für mein Zuhören, Erklären, Beschwichtigen, fürs Durchhalten. Der Druck vor dem Druck. Als das Werk vollbracht ist, wird der Empfang abgesagt. Corona zwingt uns in die Isolation. Erzählst du mir mehr vom Mönchsein?
Drei Mädchen sitzen am Kindertisch und spielen Abendessen, die eine hört nichts, die andere sieht nichts und die dritte schweigt. Wir sind Gäste bei einem feierlichen Empfang und später im Eis am Meer. Wir sind zu dritt, der Mann geht etwas zu nah ans Wasser, wir sorgen uns um ihn. Kurz darauf kommt eine so große Welle, dass wir alle im eiskalten Wasser treiben. Wo ist die Prinzessin? Sie plant ihren großen Auftritt, als alle schon denken, sie sei erfroren. Später bringen wir ein kleines Mädchen zu Bett, auf ihrem Nachttisch stapeln sich Tupperdosen mit Essensresten, die da unbedingt bleiben sollen.
Sie sagt, ich solle mir gut überlegen, ob ich wirklich nochmal das Gleiche machen möchte in blau und grün. Ich will zurück zu den Pflänzchen im Gewächshaus, in die Wärme ohne Gegenwind.
Das Wetter heute ist doch mal wieder wie gemacht für uns zwei!
Traum. Oder Träume? Oft erinnere ich mich an zwei Geschichten, doch nie an ihre Reihenfolge.
In einem Getränkemarkt versuche ich kurz vor Dienstschluss Bier und Wein zu bekommen. Am Eingang strömen mir so viele Menschen entgegen, dass ich kaum reinkomme in das Geschäft. Drinnen sind nur Büros. Ein netter Mann gibt mir, was ich möchte, auch Cola in Riesenflaschen. Ich versuche die Kisten an meinem Fahrrad zu befestigen, es kippt ständig um. Nun muss ich mich entscheiden: Fahrrad oder Getränke. Immer wieder schleiche ich um das Gebäude und auch hinein, auf der Suche nach Kabelbindern oder etwas, das mir ermöglicht, beides zu transportieren. Da schließt sich das Rolltor fürs Wochenende, ich bin gefangen und weder ich noch die Getränke werden rechtzeitig zur Party zu Hause sein.
Meine Eltern sind zu Besuch in meinem winzigen Zimmer. Sie sind so müde, dass wir überlegen, ob sie hier irgendwo übernachten können. Decken und Kissen habe ich genug, nur die Matratze ist viel zu schmal. Mama schaut sich um und alles ganz genau an. Es gibt viele Klappschränke und einen Schrank als Bad, wie in einem Wohnmobil. Die Zimmerdecken sind niedrig und die Wände dicht beklebt mit bunten Aufklebern, darunter eine Tapete, die so stark gemustert ist, dass sie fast einfarbig wirkt.